Alter Hund na und ?

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Oft hört man das Sprichwort: „Das ist doch ein alter Hund!“Ich habe einen. Nicht nur einen, und das ganz bewusst.Da liegt er im Körbchen, ein Methusalem von mehr als 17 Jahren. Er schaut mich mit seinen trüb gewordenen Augen an. Ich kann nicht anders, ich muss ihn streicheln.Wie das so ist im Alter: Es geht schon mal etwas daneben. Sein altes Herzchen wurde krank. Wasser sammelte sich in der Lunge an, er wurde kurzatmig und mochte nicht mehr spazieren gehen. Die Tierärztin schaffte es, ihn zu stabilisieren. Jetzt bekommt er regelmäßig seine Medikamente, und es geht ihm gut.

Manchmal denke ich, sein Geist wird auch trübe. Wir können ihn nicht mehr ohne Leine laufen lassen, weil er, wenn er sich an einem Duft festgesaugt hat und wir ihn rufen, in die falsche Richtung läuft. Manchmal scheint er die Welt nicht mehr zu verstehen, reagiert unsicher und ängstlich. Aber ich glaube, dass er sich bei uns, in seinem vertrauten Zuhause, noch relativ sicher und geborgen fühlt und noch immer für Zärtlichkeiten und Zuwendung dankbar ist und diese auch erwidert.Er läuft noch so gerne und erstaunlich ausdauernd mit. Er muss nur oft nachts raus. Das ist auch für uns nicht einfach. Dennoch hat dieses Kerlchen es verdient, dass man ihm auch im Alter noch gut ist und auf ihn eingeht. Solange das Leben ihm nicht zur Qual wird, darf er leben und geborgen sein.

Er kam mit über neun Jahren zu uns. Schlimme Zeiten hat er durchlebt, nachlässige Halter gehabt. Der Hund war auffällig geworden, hatte Beißvorfälle gehabt, wohl weil er frei herumlief und wer weiß was angestellt hatte und mit Besen und Füßen verjagt wurde. Er hat sich gewehrt. Nun sollte er als gefährlicher Hund getötet werden.Tierschützer gaben ihm eine Chance, die er mehr als verdient hatte. Er hörte exzellent, war aufmerksam und, wie es Pinscherart ist, sehr agil. Wer eine Schlaftablette von Hund haben möchte, sollte sich keinen Pinscher anschaffen, sondern ein Plüschtier. Ein Couch-Potato ist mit einem Pinscher absolut überfordert.

Timo kam in ein kleines Tierheim, in dem sonst nur große Hunde beherbergt wurden. Darum wurde er schnell auf eine Pflegestelle weitergegeben. Die war ebenfalls überfordert mit dem agilen Hund. Es folgten weitere Pflegestellen und schließlich die Vorstellung auf der Seite der Tierschützer. Niemand wollte ihn haben. Immer wurde er relativ schnell zurückgegeben.Die Leiterin des kleinen Tierheims ist eine Freundin von uns. Wir haben schon immer mal wieder Tiere von ihr aufgenommen. Als sie uns ihr Leid klagte, dass sie nicht mehr wüsste, wo sie Timo unterbringen könnte, sagte mein Mann:„Wir versuchen, ihn hier gut zu vermitteln. Wenn wir niemanden finden, bleibt er hier. Wo zwei Hunde satt werden, wird auch noch der dritte satt.“Der Hund musste erst einmal ankommen und zur Ruhe kommen.Ganz ehrlich? Wir haben nie versucht, ihn zu vermitteln.

Er war verträglich mit unserem Shih-Tzu-Beagle-Mix, mit unserem Pekinesen und auch mit den zwei Katern, alle aus dem Tierschutz.Wir sind Menschen, die einen ruhigen Haushalt haben, viel und gerne draußen ausgiebig wandern. So konnte Timo sein Temperament ausleben, draußen auf weiten Spaziergängen und beim Spielen. Bald durfte er auch ohne Leine laufen. Er hatte nie einen Jagdtrieb gezeigt.Im Haus war er ein friedlicher, angenehmer Hausgenosse, anhänglich und einfach ein toller Kerl, der nur in die richtigen Hände kommen musste. Er war friedlich mit anderen Hunden, mit Menschen sowieso. Er bellte nicht übermäßig, war aber wachsam. Er rannte nicht hinter Leuten oder Fahrrädern her. Eigentlich war er ein wunderbarer Hund, und gebissen hat er hier niemals.Oder doch?

Wenn er hinter uns in der Küche stand und wir zurücktraten, weil wir ihn nicht wahrgenommen hatten, dann schnappte er. Dafür durften wir ihm doch nicht böse sein. Anfangs hatte er panische Angst vor Staubsaugern und Besen. Das hat sich gelegt.Nun ist er so alt geworden. Der herzkranke Pekinese ist lange schon nicht mehr da. Der Shih-Tzu-Beagle, unsere Hündin, wurde im Alter von 17½ Jahren auch sehr plötzlich in den Hundehimmel geschickt. Wir trauern noch heute um dieses ausgleichende Wesen, das so gut in unser kleines Rudel passte. Der eine Kater lebt ebenfalls nicht mehr. Der Krebs hat ihn erwischt.Eine Weile war Timo Einzelprinz mit nur dem Kater. Dann kam der alte, kranke Sunny dazu, ein Hund mit ebenfalls schlimmer Vorgeschichte. Gute Freunde sind die beiden nie geworden, aber man toleriert sich, auch uns zuliebe, denn wir bemühen uns um beide. Jedes Tier hat seinen Platz, ob zum Ruhen oder Fressen. Sie können einander ausweichen, wenn sie möchten. Wer kuscheln kommen möchte, findet immer streichelnde Hände.Timo schläft inzwischen viel. Aber seine Zeiten zum Gassigehen hat er noch verinnerlicht, und darauf besteht er.

Eigentlich sollte er der letzte Hund für uns sein. Denn auch wir sind alt geworden, unsere Gesundheit ist nicht mehr stabil. Aber ja, aber ...Es ist nicht auszudenken: Wir ohne Hunde? Anlässlich eines hündischen Trauerfalles in unserer Familie formulierte eine begnadete Tierschützerin es einmal so:„Der viel zu frühe Tod unserer Haustiere ist der Preis, den wir für ihre unverbrüchliche Liebe und Treue zu zahlen haben.“Ja, und bisher standen dann immer neue Notfälle vor uns. Wir haben sie nie gesucht, sie haben uns gefunden.

Die Toten brauchten unsere Liebe und Zuneigung, unsere Versorgung nicht mehr. Aber diese neuen ... und davon gibt es zu viele.Wir können nicht alle retten. Aber die, die wir aufnehmen, sollen in Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit ihr Leben noch genießen dürfen. Wir genießen es mit ihnen und holen sie dort ab, wo sie stehen. Wir ignorieren das, was wir nicht möchten, und loben Wohlverhalten. So sind wir immer erfolgreich zusammengewachsen.Wir müssen keine Macht ausüben, brauchen keinen Kadavergehorsam, der aus Angst geboren wird. Wir sind verlässliche Rudelführer, denen sich die Tiere vertrauensvoll unterordnen.

Der eine braucht dazu mehr Zeit, der andere weniger.Ja, wir wissen, dass wir Timo nicht mehr ewig bei uns haben werden. Wir werden traurig sein. Er wird uns fehlen, wie es immer war im Laufe der vielen Jahre unseres Lebens mit so vielen Hunden, Katzen und anderen Tieren.Meist waren es Tiere mit Vorgeschichten, bei denen man sich wundert, wie sie trotzdem noch vertrauen und lieben konnten, auch wenn sie bereits älter waren.Sie haben unser Leben bereichert. Ja, sie haben es auch eingeschränkt, Arbeit gemacht und uns manchmal unangenehme Situationen beschert, wie jetzt bei Timo das Pinkeln oder Koten in der Wohnung.Sie waren auch teuer. Nicht in der Anschaffung, aber in der Haltung mit Tierärzten, Medikamenten und diversen anderen Kosten, wie früher Hundeschule, Hundefriseur und Ähnlichem.Wir haben es uns vorher gut überlegt und Ja dazu gesagt. Und so wird es auch bei den Tieren sein, die noch in unserer Obhut sind.Wir hoffen nur, dass wir sie noch bis an ihr Lebensende begleiten dürfen und sie geborgen wissen, wenn wir einmal unser eigenes Leben aus der Hand geben müssen.

© Karin Oehl


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