August-Jahrebogen

Ratings
(1)
 
 

  a jockel02 1     Jahresbogen · August · Loslassen 

              „Nur mit leeren Händen kann man nach den Sternen greifen –
         und nur mit weitem Herzen den Augenblick umarmen.“

           

 

                                                      Ein Projekt von Abenteuer‑Literatur                                                                                                                           

   

  ..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

        Zyklus: Licht und Schatten  

 ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

 

Ein Haiku der Wandlung

 
 
 
 
 
 
haiku august
 
 
 

Drei Zeilen – und doch eine Welt. Das Haiku ist die literarische Form des Loslassens: es verdichtet einen vergangenen Moment zu einem Atemzug und gibt ihn zugleich frei. Der August selbst ist wie ein großes Haiku – er nennt das Reife beim Namen, ohne es festzuhalten. Er feiert das Goldene und ahnt schon die Stille, die folgt. In diesem kurzen poetischen Bild steckt die ganze Weisheit des Monats: ,,Was vollkommen gereift ist, lässt sich nicht aufhalten. Es gibt sich hin, und in dieser Hingabe liegt keine Schwäche, sondern höchste Vollendung“

.....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

 

Das Handwerk der Freiheit
Ein Gedicht über die Kunst des Loslassens


Der Sommer steht in schweren, satten Farben,
die Erde beugt sich unter ihrer Pracht.
Doch in der Fülle spürt man schon die Narben,
die uns das Werden leise beigebracht.

Wir halten fest, was wir so mühsäm pflegten,
den bunten Schein, den Tag, das Sonnenlicht.
Doch erst im Lassen, das wir kaum erwägten,
enthüllt das Leben sein wahrhaft Gesicht.

Die Hand wird weich, der Griff darf nun erlahmen,
kein Sturm bricht das, was sich dem Wind ergibt.
Wir lösen uns aus dem gewohnten Rahmen,
weil nur der Freie wirklich tief und ehrlich liebt.

                                                                                                                                                                    © J.Laß

.......................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Dieses Gedicht lädt uns ein, die paradoxe Wahrheit des Augusts zu berühren: Ausgerechnet in der Stunde der größten Fülle beginnt die Weisheit des Loslassens. Der Sommer hat alles gegeben – nun darf die Hand sich öffnen. Das Loslassen ist kein Versagen, kein Rückzug, sondern das Handwerk der inneren Freiheit. Wer es meistert, trägt die Welt leichter und liebt tiefer. Denn nur wer nichts festkrallt, kann wirklich empfangen.
 
 ...............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
 
 August Jahresbogen Loslassen
Loslassen
Loslassen im August bedeutet nicht Verlust, sondern Vollendung. Es ist die Erkenntnis, dass Fülle nur dort bleiben kann, wo Raum ist. Wer im August loslässt, vertraut darauf, dass die Seele genug Kraft gesammelt hat, um ohne das äußere Festhalten zu bestehen.

Es ist ein aktiver Prozess des Entschlackens: Was von meinen Plänen des Frühjahrs hat Früchte getragen? Und was war nur unnötiger Ballast, den ich jetzt, im Angesicht der Ernte, getrost der Erde überantworten darf? Diese Fragen sind keine Anklage an uns selbst, sondern eine liebevolle Einladung zur Ehrlichkeit.

Der August ist der Monat, in dem wir unsere Finger von dem lösen, was uns nicht mehr guttut, und darauf vertrauen, dass die Hände nicht leer bleiben. Das Paradoxon des Loslassens ist, dass es uns nicht ärmer, sondern reicher macht – weil es Raum für das schafft, was wirklich zu uns gehört. Nicht das Festhalten macht das Leben wertvoll, sondern die Qualität der Begegnungen, die möglich werden, wenn wir aufhören, die Hände zu ballen.
 

Loslassen ist kein einmaliger Akt, sondern eine Haltung. Es ist die bewusste Entscheidung, dem Leben zu vertrauen, auch wenn wir den nächsten Schritt noch nicht sehen. Im Loslassen liegt eine tiefe Form der Tapferkeit – die Tapferkeit, das Vertraute aufzugeben, um dem Echten Platz zu machen. 
 
................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................... 
Das Gewicht des Sommers
Eine Kurzgeschichte

Anselm saß auf der verwitterten Holzbank hinter seinem Haus. Es war einer dieser Augustnachmittage, an denen die Luft so dick und golden war, dass man meinte, sie wie Honig löffeln zu können. Vor ihm erstreckte sich sein ganzer Stolz: ein weitläufiger Garten, der in diesem Jahr fast überbordend vor Leben war. Bienen zogen ihre schweren Bahnen zwischen den Blüten, und der Geruch von reifen Tomaten und trockenem Gras mischte sich zu etwas, das man vielleicht Sommer nennen kann – oder einfach nur: Ankommen.

In seinen Händen hielt Anselm eine alte, schwere Schere. Sein Blick ruhte auf den Sonnenblumen, die ihre Köpfe bereits müde hängen ließen. Die Kerne waren schwarz und prall, bereit für die Vögel. Doch Anselm zögerte. Er hatte diese Blumen im April gesät und ihr Wachsen jeden Morgen bewundert, fast wie ein Vater, der die ersten Schritte seines Kindes zählt. Sie jetzt abzuschneiden, fühlte sich an wie ein Verrat an seiner eigenen Mühe.

„Man kann den Sommer nicht festhalten, Anselm“, sagte seine Nachbarin Elena, die plötzlich neben dem Zaun stand. Sie hielt einen Korb voller überreifer Tomaten im Arm, die Haut bereits geplatzt, das Fleisch tiefrot und fast püriert vor Reife. „Wenn du die vertrockneten Köpfe nicht schneidest, raubst du der Pflanze die Kraft für das, was nächstes Jahr kommen will.“

„Ich habe das Gefühl, wenn ich loslasse, bleibt nichts übrig“, gestand er leise, den Blick noch immer auf die Sonnenblumen gerichtet.
Elena lachte sanft, ohne Spott. „Spürst du die Wärme der Tomate?“ Sie hielt ihm eine hin, noch warm von der Sonne. „Das ist die Sonne von drei Monaten. Die Pflanze hat sie losgelassen, damit wir sie jetzt essen können. Würde sie die Frucht für sich behalten, würde sie verfaulen. Loslassen ist kein Verlust, Anselm. Es ist die einzige Art, wie das Leben weitergegeben wird.“

Anselm setzte die Schere an. Das Geräusch des Schnitts war trocken und bestimmt – wie ein Satz, der einen Punkt setzt. In diesem Moment sanken seine Schultern nach unten, als würde er eine Last abgeben, die er so lange getragen hatte, dass er sie vergessen hatte zu spüren.
Er sah nicht mehr nur die sterbende Blume; er sah den Platz, den sie freigegeben hatte. Das goldene Licht fiel nun ungehindert auf den Boden, wo bereits die ersten Herbstanemonen ihre Knospen zeigten – zart, violett, ungeduldig. Er hatte aufgehört, so zu tun, als wäre es noch Juli. Und in dieser Ehrlichkeit fand er eine Ruhe, die er den ganzen Sommer über gesucht hatte.

Später, als die Sonne tiefer stand und Elena längst gegangen war, blieb Anselm noch eine Weile sitzen. Die leeren Stiele der Sonnenblumen standen wie kleine Denkmale. Er dachte an all die Dinge in seinem Leben, die er noch hielt, obwohl sie längst fertig gereift waren: die Bitterkeit über einen alten Streit, die Trauer um einen vergangenen Sommer, die Illusion, dass Sicherheit im Festhalten liegt. Vielleicht, dachte er, ist der Garten unser bester Lehrer. Er trauert nicht. Er lässt los. Und er blüht trotzdem – oder genau deshalb.     © J.Laß
....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
 
 
Psychologische Perspektive
Die Freiheit der leeren Hände

Psychologisch gesehen ist das Loslassen im August eine Übung in der Akzeptanz der Vergänglichkeit. Wir neigen dazu, Identität aus dem „Haben“ zu ziehen: aus Projekten, Beziehungen, Besitz, Plänen und Selbstbildern. Das Ich definiert sich über das, was es hält. Wenn wir im August loslassen, üben wir etwas Anderes: das „Sein“.

Die entscheidende Frage verlagert sich dabei: Weg vom „Was fehlt mir noch?“ hin zu „Was brauche ich nicht mehr, um ich selbst zu sein?“ Diese Verschiebung mag klein klingen, ist aber transformativ. Denn sie befreit uns aus der endlosen Spirale des Mehr-Habens und richtet den Blick nach innen – auf das, was unverlierbar ist.

Emotionale Hygiene
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die emotionale Hygiene: Es geht darum, Investitionen in Projekte oder Beziehungen zu prüfen, die keine Früchte tragen. Psychologen sprechen hier vom „Sunk-Cost-Effekt“ – der Tendenz, an etwas festzuhalten, weil wir bereits so viel investiert haben, auch wenn weiteres Investieren sinnlos ist.

Das Loslassen befreit uns von der Last falscher Erwartungen und schafft Raum für echte Reife. Es ist ein Akt der psychologischen Gesundheit, der Energie freisetzt – für das, was wirklich zählt. Manchmal ist das Mutigste, was wir tun können, aufzuhören. Den Plan zu begraben. Die Erwartung loszulassen. Den alten Schmerz zu verabschieden.

Loslassen ist keine Niederlage, sondern der Beginn der nächsten Reife – wie Anselm mit seiner Schere im Garten: Der Schnitt schmerzt, aber er gibt der Pflanze das Leben zurück.
................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
 
 Religiöse & Spirituelle Perspektive
Spirituell ist der August der Monat der Hingabe. In vielen Traditionen weltweit wird nun der Dank für die Ernte zelebriert – Lammas im keltischen Kalender, Erntedankfeste in christlichen Gemeinden, Obon im japanischen Buddhismus. All diese Traditionen verbindet ein gemeinsamer Kern: das Zurückgeben. Der Mensch gibt einen Teil seiner Ernte dem Größeren Ganzen zurück – der Erde, dem Kosmos, dem Göttlichen.

Wahre Spiritualität führt immer in die Freiheit und Eigenverantwortung. Das Loslassen, das spirituelle Traditionen lehren, ist ein Loslassen des Egos, nicht des Verstands. Es ist das Loslassen von Gier, Angst und Kontrolle – nicht von Vernunft und Urteilsvermögen.

⚠️ Wichtiger Hinweis: Seien Sie wachsam gegenüber Gruppen (Sekten), die das „Loslassen“ als Werkzeug nutzen, um Sie von Ihrem Besitz, Ihren Bindungen oder Ihrem kritischen Denken zu trennen. Echtes spirituelles Loslassen macht Sie stärker und freier, niemals abhängiger. Vertrauen Sie Ihrem Unbehagen – es ist Ihr Kompass.
...............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
Wachstum im August: Der Blick des Biologen
Die Biologie lehrt uns, was wir oft vergessen: Wachstum findet nicht nur im Aufblühen statt. Wachstum findet jetzt, im August, in der Festigung statt. Pflanzenzellen verholzen, um winterfest zu werden. Das weiche, grüne Gewebe des Frühjahrs wird hart, robust, widerstandsfähig – nicht durch Anstrengung, sondern durch das natürliche Zurückziehen von Energie aus dem, was verbraucht ist.
 
Monatliche Begleiter:
• Heilstein des Monats – Peridot
Er steht für Licht und hilft dabei, sich von Selbstvorwürfen zu lösen. Der Peridot erinnert uns daran, dass wir nicht fehlerlos sein müssen, um liebenswert zu sein. Er ist ein Stein des Neubeginns – und damit ein perfekter Begleiter für den August.

• Körperzone – Herz und Kreislauf
Wir lernen, im Rhythmus zu bleiben, ohne zu forcieren. Das Herz ist das Symbol des Loslassens: es schließt sich und öffnet sich – 60 bis 80 Mal pro Minute. Niemals hält es fest. Sein Loslassen ist Leben.

• Farben des Monats
Gold, Ocker und tiefes Blau dominieren. Sie sprechen von Reife, Tiefe und der Weite des Himmels über abgeernteten Feldern.
.....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Kunst & Literatur — Der August und das Loslassen

In der Literatur ist der August kein Monat des Aufbruchs. Er ist der Monat des langen Nachklingens — jener seltsam entrückten Zeit, in der der Sommer seinen Höhepunkt längst überschritten hat und das Jahr beginnt, sich still zu wenden.

Große Werke der Weltliteratur kennen diesen Ton. Es ist keine schwere Melancholie, die lähmt — es ist eine weiche, die trägt. Eine Stimmung, die sagt: Es darf so sein, wie es ist. Und es darf auch vergehen.

Thomas Mann nannte diese Qualität das „süße Verfallen" — jenen Zustand, in dem Schönheit und Vergänglichkeit untrennbar werden. Der August verkörpert das wie kein anderer Monat. Die Fülle ist da, aber sie neigt sich bereits. Das Licht wird goldener, weil es weiß, dass es weniger wird.

Hermann Hesse, der das Loslassen wie kaum ein anderer in Worte gefasst hat, beschrieb Herbstbeginn nicht als Verlust, sondern als Reife. Was fällt, ist fertig. Was geht, hat gegeben, was es geben konnte. Loslassen ist bei Hesse nie Kapitulation — es ist Vollendung.

In der Lyrik zeigt sich der August als Meister der leisen Bilder: das letzte Licht auf dem Feld, die schwere Stille eines Nachmittags, der Geruch von reifem Gras. Rilke wusste, dass solche Bilder nicht festgehalten werden wollen. Sie wollen durchgelassen werden — durch uns hindurch, ohne dass wir sie krampfhaft festhalten.

David Richo zeigt in Reif werden füreinander, dass wahres Loslassen keine Gleichgültigkeit ist — sondern die höchste Form der Liebe. Wer loslässt, hat nicht aufgegeben. Er hat verstanden, dass Festhalten und Lieben zwei verschiedene Dinge sind. Reife beginnt dort, wo wir aufhören, das Leben nach unseren Vorstellungen formen zu wollen — und anfangen, es so anzunehmen, wie es ist.

Und genau das ist die literarische Botschaft des August im Jahresbogen: Loslassen ist keine Leere. Es ist die Kunst, dem Leben zu vertrauen — dass das, was geht, Platz macht für das, was kommen will. Dass jedes Ende in der Literatur wie im Leben nur dann vollständig ist, wenn wir es würdig verabschieden.

Der August lädt uns ein, mit einem verzeihenden Blick auf das bisherige Jahr zu schauen. Nicht mit Bedauern. Nicht mit Bilanz. Sondern mit der stillen Dankbarkeit dessen, der versteht: Auch das Vergehen ist ein Geschenk.

...................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

 David Richo — Reif werden füreinander

Wie man in Beziehungen erwachsen wird


Es gibt Bücher, die man liest — und Bücher, die einen lesen. David Richos Reif werden füreinander gehört zur zweiten Kategorie.
David Richo ist Psychotherapeut, Autor und spiritueller Lehrer mit jahrzehntelanger Erfahrung in der therapeutischen Begleitung von Menschen. Er lehrt an verschiedenen spirituellen Zentren in den USA und verbindet in seiner Arbeit Tiefenpsychologie, Achtsamkeit und spirituelle Praxis zu einem unverwechselbaren Ansatz. Was ihn von anderen unterscheidet: Er schreibt nicht über Liebe als Konzept — er schreibt über Liebe als tägliche Praxis, als innere Haltung, als Weg der Reifung.


Sein zentraler Gedanke ist so einfach wie tiefgründig: Liebe ist kein Gefühl, das uns passiert. Sie ist ein Weg, den wir gehen — bewusst, mutig, bereit zur Veränderung. Und dieser Weg führt unweigerlich durch das Loslassen. Durch das Loslassen von Erwartungen, von alten Verletzungen, von dem Bild, das wir uns vom anderen — und von uns selbst — gemacht haben.


Richo beschreibt fünf Dimensionen authentischer Liebe — 
— Aufmerksamkeit: dem anderen wirklich zuhören, ihn wirklich sehen
— Akzeptanz: den anderen so annehmen, wie er ist — nicht wie wir ihn haben möchten
— Anerkennung: den Wert des anderen spiegeln, ohne Bedingungen
— Zuneigung: Wärme zeigen, körperlich wie emotional
— Loslassenkönnen: die Freiheit des anderen achten — und die eigene

Gerade das letzte ist es, das die meisten Menschen das ganze Leben lang üben. Und das der August so passend verkörpert. Denn Loslassen bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Es bedeutet Reife. Die Reife dessen, der gelernt hat: Ich kann lieben, ohne festzuhalten.


Das Buch richtet sich an alle, die in Beziehungen nicht nur funktionieren, sondern wachsen wollen. Die bereit sind hinzuschauen — auf sich selbst, auf ihre Muster, auf das, was sie in der Kindheit nicht bekommen haben und noch immer unbewusst suchen. Richo tut das ohne Schuldzuweisungen, ohne erhobenen Zeigefinger. Er begleitet — mit der Wärme eines Therapeuten und der Stille eines Menschen, der selbst den Weg gegangen ist.


Reif werden füreinander ist kein Buch, das man einmal liest und weglegt. Es ist ein Begleiter — für alle, die bereit sind, in Beziehungen nicht nur zu lieben, sondern an der Liebe zu wachsen.
Verlag: Windpferd
Seiten: 224
Empfohlen für: alle, die Beziehungen als Weg der inneren Reifung verstehen

 

Bücher die Aufrichten — so heißt diese Rubrik, weil Literatur mehr kann als unterhalten. Sie kann halten. Sie kann tragen. Sie kann uns in Momenten begegnen, in denen wir selbst nicht mehr weiterwissen — und uns leise daran erinnern, wer wir sind und wer wir werden können.


David Richos Reif werden füreinander tut genau das. Es richtet auf — nicht laut, nicht fordernd, sondern so, wie der August es tut: still, golden, mit der Weisheit dessen, der weiß, dass Reifen Zeit braucht. Und dass das Loslassen keine Niederlage ist, sondern der Beginn von etwas Tieferem.
Deshalb steht dieses Buch im August im Jahresbogen. Weil es verkörpert, was dieser Monat lehrt: Wer loslässt, wird nicht ärmer. Er wird weiter.

.................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Meditationsraum August
Loslassen · Vertrauen · Das Wagnis, die Welt ohne Filter zu spüren.
Ein Raum für dich. Ein Atemzug der Erleichterung. Das Schwere darf sinken – und der Geist wird leicht.
Der August lässt reifen, was im Stillen gewachsen ist. Diese Meditation lädt dich ein, dich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen – das sanfte Öffnen der Handflächen, um das Alte zu entlassen. Nimm dir einen Moment. Atme tief. Spüre, wie der Atem kommt – und wie er geht. Du musst ihn nicht halten. Du musst ihn nicht kontrollieren. Er kommt. Er geht. Er trägt dich.
Wie der Baum, der seine Früchte gibt, ohne zu fragen, wohin sie fallen. Wie das Feld, das die Ernte hergibt und dann ruht. Wie die Hand, die sich öffnet und plötzlich leichter ist.


Und etwas in dir… erkennt die Freiheit im Weniger.
Und etwas in dir… beginnt im Loslassen zu leuchten.

 ...................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

August — Loslassen


Eine geführte Meditation zum Thema des Monats: loslassen, was seine Zeit gehabt hat, und Raum schaffen für das, was kommen will.

 ................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

YouTube

 

🎧 Jetzt anhören auf YouTube.        

........................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

🌙 Hinweise zur Nutzung
Diese Meditation wurde von Joachim Laß verfasst.Die Stimme wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (ElevenLabs) generiert.Die Meditation dient der persönlichen Stille, Selbstreflexion und inneren Begleitung.Sie ersetzt keine psychologische oder therapeutische Behandlung.Bei anhaltenden oder belastenden seelischen Themen wende dich bitte an eine Fachperson. 

...............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Gedanklicher Meditationsraum: Reflexion
Reflektiere über die „goldene Schwere“ dieses Monats. Der August ist kein Monat des Beginns, sondern ein Monat des Einverständnisses. Wenn wir beobachten, wie die Natur ihre höchste Pracht erreicht und gleichzeitig beginnt, sich zu verabschieden, lernen wir die wichtigste Lektion: Dass alles seine Zeit hat.


Wahre Tiefe entsteht dort, wo wir aufhören, gegen den Strom der Zeit zu kämpfen. Die Vergänglichkeit ist kein Feind – sie ist die Bedingung der Möglichkeit. Nur weil der Sommer endet, war er real. Nur weil die Blüte fällt, war sie schön. Das Loslassen ist die höchste Form der Meisterschaft über das eigene Leben: die Fähigkeit, das Vergangene zu segnen und das Kommende willkommen zu heißen.


Fragen zur Reflexion: Was habe ich in diesem Sommer gewonnen, das ich nun loslassen darf? Was hat Frucht getragen – und was war Ballast? Und: Was möchte ich mit in den Herbst nehmen?

.....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Nachwort — August

Im August haben wir gelernt, dass unsere Stärke nicht darin liegt, wie fest wir halten können — sondern wie mutig wir die Hand öffnen.Loslassen ist kein passiver Akt. Es ist eine der tiefsten Entscheidungen, die ein Mensch treffen kann. Die Entscheidung, dem Leben mehr zu vertrauen als der eigenen Kontrolle. Dem Fluss mehr zu vertrauen als dem Ufer.

Wir haben erfahren, dass Loslassen der erste Schritt zum Aufrichten ist. Was sich öffnet, macht Raum. Was Raum macht, lässt Licht herein. Und Licht — das wissen wir seit dem ersten Frühlingstag des Jahres — ist der Beginn von allem.

Die Schere, die Anselm in die Sonnenblume setzte, ist dasselbe wie das innere Ja, das wir sprechen, wenn wir einem Gedanken, einer Erwartung oder einem alten Schmerz erlauben zu gehen. Kein Urteil. Kein Kampf. Nur das stille, mutige Öffnen der Hand.

David Richo hat es uns gezeigt: Wer loslässt, verliert nicht. Er gewinnt sich selbst zurück. Stück für Stück. Atemzug für Atemzug.

Und die Literatur hat es uns gespiegelt — in Hesse, in Rilke, in Mann — dass der August schon immer der Monat war, in dem das Reife fällt. Nicht weil es schwach ist. Sondern weil es fertig ist. Weil es seine Zeit hatte und sie vollständig gelebt hat.

Nun, da die Hitze des Sommers einer kühleren Klarheit weicht, halten wir inne. Wir schauen zurück — nicht mit Bedauern, sondern mit Dankbarkeit. Für alles, was war. Für alles, was wir loslassen durften. Für die Leichtigkeit, die danach kommt.

Der Herbst wartet nicht auf uns — aber er empfängt uns, wenn wir bereit sind. Und diese Bereitschaft ist das stille Geschenk des August.

................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Ausblick: September — Die Ernte

Mit dem September ziehen wir weiter zur nächsten Etappe des Jahresbogens: von der Losgelassenheit zur Ernte.

Was im August losgelassen wurde, hat Raum geschaffen. Was Raum geschaffen hat, durfte reifen. Und was reift, will geerntet werden — nicht mit Gier, sondern mit Dankbarkeit. Nicht mit Hast, sondern mit der stillen Würde dessen, der weiß: Ich habe gesät, ich habe gewartet, ich habe vertraut.

Der September ist der Monat des Einholens. Nicht nur der äußeren Früchte — sondern der inneren. Was habe ich in diesem Jahr gewonnen? Was hat sich in mir entwickelt, verändert, vertieft? Welche Erkenntnis trägt jetzt Frucht, die ich im Frühjahr noch nicht sehen konnte?

Die Hände sind nun leichter.
Die Augen können klarer sehen.
Und der Korb, den wir tragen, ist gefüllt —
nicht mit dem, was wir erzwungen haben,
sondern mit dem, was reifen durfte.

Die Reise geht weiter.

.....................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

 
 
Pin It
Kommentare (0)
Bisher wurden hier noch keine Kommentare veröffentlicht
Einen Kommentar verfassen (eventuell müssen Sie angemeldet sein)
Posting as Guest
×
0   Zeichen
Suggested Locations
Image
1182637

Aktuell sind 2859 Gäste und keine Mitglieder online

amanfang 2 270

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.