
Im Schatten, den meine Sprache wirft,
gehe ich über einen dunklen Spiegel –
dorthin, wo ein Gedanke
zum ersten Mal zu atmen wagt.
Der Himmel, ein altes Gedächtnis der Zeit,
schickt leise Blitze über trockenes Land.
Das Tor zur Nacht ist ein schmaler Spalt –
er öffnet sich,
wenn ich aufhöre, etwas zu verlangen.
Stockrosen flammen in der Ferne.
Mein Schatten wird weich,
und das Licht flüstert zwischen den Blättern,
als käme es über ein Wasser,
das jede Tiefe kennt.
Der Schatten kriecht zurück in den Baum,
schläft im ersten Jahresring –
eine Erinnerung, die wartet,
bis ich bereit bin, sie zu tragen.
Ich taste nach der Nacht,
als suchte ich einen Fjord,
der mich einst gehalten hat,
ohne zu fragen, wer ich bin.
Bleibe ich, verbrenne ich.
Schlafe ich, träume ich von Buchten,
in denen selbst das Wasser zu denken scheint –
und die Welt, einen Herzschlag lang,
aufhört, mich zu deuten.
Und doch: etwas in mir hält dagegen,
weigert sich, ganz zu sinken –
als wüsste ein Teil von mir,
dass, wer sich auflöst,
auch aufhört, gefunden zu werden.
So viel Nacht.
Ein Warten, das nichts mehr erwartet.
Ein Leben, das fließt und sich dabei verschlingt,
wie ein Fjord, der sich in die Tiefe legt
und doch, immer, zum Meer zurückkehrt.
Ich suche das Unmögliche:
die Lampe, ausgebrannt von der Zeit.
Und doch – sie brennt noch, nur nach innen,
wie ein fernes Licht
über einer nördlichen Stille,
die mehr über mich weiß,
als ich zu wissen wage.
©J.Laß
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