Böse Überraschung

Unsere Hunde sind alt geworden. Wir waren uns immer gut. Eigenheiten schleichen sich ein, die man tolerieren kann und muss.Und jetzt?Unser kleiner Pinscher muss öfter nachts raus.Er verlässt unser Schlafzimmer, und dann ist Schichtwechsel: Unser alter Spitz möchte dann hinein.Wie mit Kindern gibt es verschiedene Rituale, zum Beispiel abends das Gute-Nacht-Sagen, noch einmal streicheln und kraulen.Dabei kommt keines unserer Tierchen zu kurz – kein Hund, und der Kater auch nicht. Das glauben wir zumindest.War es dennoch Eifersucht, die mühsam uns zuliebe unter der Decke gehalten wird?Und dabei ist es geschehen.

Jedenfalls erfolgte ein schneller, heftiger Biss in mein Gesicht.Hatte das Tier vielleicht an einer Stelle Schmerzen?Hat es sich erschreckt?Es sieht ja kaum noch etwas.Nie hätte ich das gedacht von dem so liebevollen, liebebedürftigen kleinen Kerl.Die Wunde im Gesicht ist klein, aber wohl tiefer; der Gegenbiss ist fast nur ein kleines Schrämmchen.Die Wunde, die es meiner Seele gerissen hat, ist größer.Unsicherheit, Enttäuschung – das will erst einmal verarbeitet werden.Mein Gesicht ist angeschwollen. Ob ich damit zum Arzt muss? Gegen Tetanus bin ich geimpft.Entzündet wirkt die Wunde nicht. Ist die Verfärbung nur ein Bluterguss?Tierbisse sind immer ein wenig problematisch, auch wenn sie nicht groß sind – gerade dann.Der Pinscher benimmt sich wie immer: lieb, zugewandt, freundlich, will gestreichelt werden.Ich versuche, unvoreingenommen wieder mit ihm umzugehen, aber mein Gesicht werde ich nicht wieder so nahe an ihn heranbringen.

© Karin Oehl

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Liebe Karin,

deine Zeilen haben mich sehr berührt. Man spürt darin, wie viel Nähe, Fürsorge und gewachsene Verbundenheit zwischen euch und euren Tieren liegt – und gerade deshalb trifft ein solcher Moment umso tiefer .Ich glaube nicht, dass dein...
Liebe Karin,

deine Zeilen haben mich sehr berührt. Man spürt darin, wie viel Nähe, Fürsorge und gewachsene Verbundenheit zwischen euch und euren Tieren liegt – und gerade deshalb trifft ein solcher Moment umso tiefer .Ich glaube nicht, dass dein kleiner Gefährte dir in diesem Augenblick „gegen dich“ begegnet ist. Viel eher wirkt es wie ein kurzer Moment der Verunsicherung – vielleicht durch sein eingeschränktes Sehen, vielleicht durch einen Schreck oder eine unbewusste Überforderung. Alte Hunde tragen ihre Welt anders in sich als früher, leiser, empfindlicher, manchmal auch brüchiger. Dass er danach wieder Nähe sucht, so wie du es beschreibst, spricht eine deutliche Sprache. Es ist keine Abkehr, sondern eher ein Stolpern im gemeinsamen Weg, der über so lange Zeit gewachsen ist. Deine Reaktion, vorsichtig zu bleiben und zugleich offen zu bleiben, zeugt von großer innerer Stärke. Genau darin liegt wohl der richtige Umgang – achtsam werden, ohne die Verbindung zu verlieren. Ich wünsche dir, dass sich die äußere Wunde rasch schließt – und die innere mit der Zeit wieder ruhiger wird.

Liebe Grüße
Joachim
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Kommentar zuletzt bearbeitet am 15 hours ago von Joachim Laß Admin Joachim
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