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Heimatlos und Zerrbild aus dem Zyklus Licht und Schatten

Heimatlos und Zerrbild aus dem Zyklus Licht und Schatten

  Heimatlos

 

Heimatlos
wohne ich in den Wörtern,
den trauertragenden,
den gefangenen.

Meine Wörter schlafen auf Parkbänken,
dösen unter Ikea‑Kartons —
Kopf und Schulter voran.

Wer hat uns beigebracht,
wegzuschauen?

Ich sehe den Siegesbogen.
Die Freiheitsstatue.
Dachau.
Arbeit macht frei.

Das waren auch Worte einmal.
Auch Versprechen.

Zwischen die Zeilen gezwängt
wird weitergelebt —
das Krumme
biegt man nicht gerade.
Man nennt es Alltag.

Unsere Zukunft
hängt am Erbe der Gegenwart.
Wir tragen sie,
ohne es zu wissen.

                                                                                                                                                                       © J.Laß

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  Zerrbild

Tief in uns sitzt ein Bild von uns —
meistens stimmt es nicht.

Wir wurden geformt,
als wir noch zu klein waren,
um Nein zu sagen.

Die Straße der Stiefelmacher
hallt wieder.
Das Gesindel tratscht in der Gülle
über die Revolution,
während im Hinterleib der Schmeißfliegen
das Blut der Adeligen
sich mit dem der Vasallen mischt.

Es hat sich immer gemischt.

Die Hausmeister fegen
die nächste Epoche vom Pflaster.
Über Theaterpläne
kleben neue Flugblätter.

Wäre Hoffnung Atem —
und sie ist es —

könnten wir uns
sekündlich
neu erdenken.

Ein Leben,
in dem die Liebe
nicht verraten wird
von unserem Zerrbild.

Das Puzzle liegt vor uns.
Wir halten alle ein Stück.

                                                                                                                                                                      © J.Laß

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Für den Monat März habe ich diese zwei Gedichte geschrieben, die im Zyklus Licht und Schatten stehen – leise Bewegungen zwischen Erinnerung und Neubeginn.Vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo wir den Mut finden, hinzusehen und weiterzugehen.

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Worum es in diesen beiden Gedichten geht

Heimatlos und Zerrbild sind Teil des Zyklus Licht und Schatten, weil sie genau jene Spannung sichtbar machen, in der wir uns als Menschen bewegen: zwischen dem, was uns prägt, und dem, was wir aus uns heraus neu erschaffen können.Heimatlos richtet den Blick auf die äußere Welt – auf Geschichte, Sprache, Ideologien und das Wegsehen, das sich in den Alltag eingeschlichen hat. Es zeigt, wie Worte zu Orten werden, an denen man wohnt, wenn die Wirklichkeit keinen Schutz bietet.

Zerrbild führt diese Bewegung nach innen. Es beschreibt, wie früh geformte Selbstbilder weiterwirken, wie Macht und Geschichte sich in uns einschreiben und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Gleichzeitig öffnet es einen Raum für das Helle: die Möglichkeit, sich neu zu denken, getragen vom Atem der Hoffnung.

Beide Gedichte zeigen, wie Licht und Schatten ineinandergreifen – in der Welt, in der wir leben, und in uns selbst.
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