Wieder einmal ist Jahreswechsel.Früher sind wir um Mitternacht mit einer Flasche Sekt und Gläsern auf die Straße gegangen.Die Jugend hat Raketen und Böller geschossen; unseren damaligen Tieren hat das nichts ausgemacht, sie waren ruhig und gelassen.Inzwischen schaffen wir es nicht mehr, bis Mitternacht wach zu bleiben.Die Nachbarn, mit denen wir uns draußen alles Gute zum neuen Jahr gewünscht haben, sind längst alt geworden oder verstorben.
Die einzelnen Böller sind einem Batterie-Geschosswerk gewichen, das seinesgleichen sucht.Nein, in unserer Straße war es verhältnismäßig ruhig – es gibt wenige junge Leute in der Nähe.Aber in den umliegenden Siedlungen, und es sind viele dazugekommen, wurde anhaltend geschossen.Wir haben die Fenster und Türen geschlossen gehalten und die Jalousien heruntergelassen.
Wie gern haben wir früher das Feuerwerk gesehen.Heute denken wir anders darüber: Die Luft ist voller Qualm, und von frischer Luft kann keine Rede sein.Zwar sind die Straßen und Gärten nicht mehr so vermüllt wie früher, aber der Lärm ist unglaublich und anhaltend gewesen.In diesem Jahr war es deutlich heftiger als in den Jahren zuvor.Man konnte denken, wir seien mitten im Krieg und in einem Bunker gelandet.
Ja, alte und kranke Menschen und vor allem die Tiere leiden fürchterlich.Wie mag es erst den Wildtieren gehen, die das Spektakel völlig ungeschützt mitbekommen?
Wenn man im Fernsehen die Bilder sah, welche Mengen an Feuerwerk gekauft wurden und wie viel Geld dafür ausgegeben wurde – ungeheuerlich.Und alle klagen, sie hätten kein Geld.Was hätte man mit dem Geld, das jetzt in Schall und Rauch aufgegangen ist, alles Gutes tun können – für Menschen und Tiere.
Ja, der Jahreswechsel ist etwas Besonderes.Es ist gut, ihn besonders zu begehen – und warum nicht auch einmal mit einem kleinen, leisen Feuerwerk, zum Beispiel einem Tischfeuerwerk, das nicht so laut ist?
Wieder sind an Silvester viele Menschen verunglückt, haben Gliedmaßen verloren oder sogar ihr Leben.Und was ich besonders schlimm finde: wenn Ordnungs- und Rettungskräfte mit diesem Material gezielt angegriffen werden.Wer kann an so etwas Freude empfinden?Sachbeschädigungen, Brände, Unfälle – und Menschen, die für Ordnung und Hilfe sorgen wollen und sollen, werden zur Zielscheibe. Immer wieder. Warum?
Warum kommt es nicht zu einem Böllerverbot – oder zumindest zu einem zentralen Platz, wo man gut schauen kann und Profis ein Feuerwerk veranstalten?
© Karin Oehl

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