Ob wir das Fest je erleben? Wie oft haben wir es uns gefragt. Es ist kein Fest, das viele Menschen im Leben feiern dürfen. Viele Paare sind getrennt, es gibt neue Partner – oder keine –, Partner sind verstorben.Und wir? Wir dürfen es wirklich erleben: Diamantene Hochzeit.
60 Jahre ein Ehepaar.
Natürlich kam auch von der Gemeinde ein Vertreter zum Gratulieren.Es gab so viel zu erzählen – was wir wussten, was er nicht vom Ort wusste.Unglaublich, wie interessant solche Gespräche sein können. Offensichtlich hat er sich bei uns sehr wohlgefühlt, und es war ein längerer, angeregter Besuch.Presse war bei uns nicht gewünscht.
Als feier‑unerfahrene Leute haben wir natürlich lange überlegt:Wie soll es ablaufen?Die Familie – selbstverständlich so gut wie komplett – ist angereist.Wo bringen wir sie unter? Alles ist gelöst.Freunde – wie groß darf und kann der Kreis werden?Wie machen wir es mit dem Essen? Was soll es geben?Die Lösung: ein gutes Restaurant in der Nähe!Nein, wir haben kein Menü bestellt, sondern jeder bestellte das, wonach ihm das Schnäuzchen stand.Es hat sich als sehr gut erwiesen.Für die jungen Leute blieb Zeit für einen Köln‑Besuch, und für uns blieb Zeit für das Alltägliche und eine kleine Ruhepause vorher.
Wir waren früh im Restaurant. Spätes Essen ist nichts mehr für alte Leute.Die Küche und der Service waren hervorragend.Die lange Tafel – na ja, wir hätten uns einen runden Tisch oder eine Ecke gewünscht. Aber auch so kam es mit Familie und Freunden zu angeregten Gesprächen und viel Lachen.So manche Anekdote wurde erzählt. In einem so langen Leben gibt es viele Ereignisse, die beim einen so, beim anderen wieder anders im Gedächtnis haften bleiben.Und es wollte gar nicht enden, so anregend waren die Gespräche.Es war kein Fest mit schriftlichen Einladungen, förmlichem Tanz, Musik und großen Ritualen.Nein – es war so, wie es zu uns passt.Auch die, die sich nicht kannten, waren voll dabei, als hätte man sich schon Jahre gekannt.
Am frühen Morgen und auch am folgenden Tag blieb genügend Zeit für ein ausgiebiges gemeinsames Frühstück – und für das Betrachten alter Fotoalben.Unsere Enkel, handyversiert, machten Bilder und zeigten sie ihrem Vater.Allgemeines Gelächter war die Quittung:Ihr Vater als Baby, als junger Mann, als Soldat.Bilder von Autos, die unsere Jungs einmal besessen und bemalt hatten (in jeder Kontrolle wurden sie damals angehalten!).So verlief dieser seltene Feiertag in Harmonie, mit viel freundlicher Zustimmung und vor allem mit positivem, nachhaltigem Echo.
Dann kam der erlösende Anruf:Auch die Rückfahrt im Winter, mit dem Führerschein‑Neuling als Fahrer, ist glattgegangen.Alle sind wieder heil und zufrieden daheim angekommen.Und wir?Wir haben bei einem guten Glas Wein den Tag Revue passieren lassen.
Normalerweise geschieht es zum Jahresanfang, dass wir Wünsche für das neue Jahr äußern.Diesmal haben wir das in einem nachdenklichen Zusammensein nach dem Fest getan.Ja – was mag das neue Jahr für uns im Füllhorn noch an Überraschungen, guten wie negativen, bereithalten?Immer wieder sagen wir es uns:Wie es kommt, müssen wir hinnehmen.In jedem Jahr waren Herausforderungen zu bewältigen, und wir sind bereit, sie auch im neuen Jahr auf uns zu nehmen – und bitten den Schöpfer um die Kraft dazu.
© Karin Oehl

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