Tag für Tag

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Tag für Tag

Die Saison läuft, anders als in den Jahren zuvor.

Bereits in diesem heißen Sommer ist die Igelstation frequentiert, wie nie zuvor in dieser Jahreszeit.

Es gibt keinen Tag ohne Arbeit -wie bei den Bauern, die Vieh halten, Tiere leben und müssen alltäglich versorgt werden.

So unendlich viele Jungtiere – mal mit mal ohne Mutter. Mütter, die frisch geboren haben und gefunden werden aus den unterschiedlichsten Gründen,

Mehr als einmal haben die Mütter des Wildtieres Igel den Stress – offen gelegtes Nest, Transport in die Station nicht ausgehalten und ihre Kinder tot gebissen.

Der spektakulärste Fall erst neulich. Eine werdende Igelmutter hing in einem Zaun fest und konnte sich nicht befreien, Sie gebar als festhängendes Tier drei Kleine und das Mitte August- sehr spät im Jahr, aber noch in der Norm, weil in vielen Bundesländern auf Grund klimatischer Unterschiede die Wurfzeiten durchaus bin in den September gehen können.

Die Igeldame gab durchdringende Laute, wohl Schreie von sich, wurde gefunden, befreit und dann sahen die Finder die Bescherung -drei noch stachellose winzlinge lagen bei der Mutter.

Man hat sie sofort in ein warmes Tuch gepackt und zusammen in die Igelstation gebracht. Dort  wurden sie erneut in warme Tücher gelegt, ein Schlafhaus darüber sorgte für Dunkelheit und der Mutter wurde Futter und Wasser ins Gehege gestellt und absolute Ruhe  gab es.  Beim Betreten des Raumes nach ca 1 ½ Stunden hatte die Mutter ein Kleines tut gebissen und aus dem Nest geworfen.

In der Hoffnung, daß sie die verbliebenen zwei aufziehen würde, ließ ich das Nest zwei Tage unangetastet, wunderte mich allerdings darüber, daß keinerlei Geräusche aus dem Nest drangen.

Am 3. Tag hatte die Igelin gefressen und gekotet. Also mußte das Gehege gereinigt werden. Da sah ich die Bescherung -nur noch der trockene Überrest eines angefressenen Welpen fand sich in den Falten des Tuches.

Die Mutter habe ich sofort in das Außengehege gebracht und sie soll umgehend am Fundort wieder frei gelassen werden.

Es kam auch eine Mutter mit 4 Igelkindern hier an, das Nest war bei Bauarbeiten zestört worden

Drei Igelkinder sahen aus wie ihre Mutter, das vierte Jungtier war weiß -aber kein Albino, denn es hatte eine schwarze Nase, schwarze Ohrränder und schwarze Augen, auch ganz  dunkle Füße. Eine Laune der Natur, ein leuzistisches Kind.

Nicht lange nach diesem Wurf, der  längst in Freiheit ist, kam ein einzelnes Jungtier, diesmal ein Albino. Diesen Tieren fehlt jedes Farbpigment und so sind die Stacheln weiß, die Haut, ich sage immer, sie haben richtig kleine Schweineschnäuzchen. Die Augen sind rot.

Wer aber denkt, daß man diese Tiere nicht auswildern kann, der irrt. Albinos sind wie alle Igel nachtaktiv, also macht ihnen die Sonne kein Problem, im Gegensatz z. B. zu albiotischen Rehen. Und als bodennah lebende Tiere mit wenig Komfortverhalten machen sie sich so schmutzig, daß man beim Fund dreimal hinschaun muß, ist es ein Albino oder nicht. Übrigens paaren sie sich genau so wie die normalen Igel, sie werden nicht abgebissen oder verjagt, Allerdings setzt sich die Genmutation -Albinismus wohl nicht dominant fort.

Auch in diesem Jahr kamen wieder viele , offensichtlich durch Gartengeräte verletzte Igel in die Station. Meist sind es Rasentrimmer, die ohne vorherige Kontrolle unter überhängenden Zweigen oder im Heckenbereich eingesetzt werden, die die Tiere verletzen. Auch der zunehmende Einsatz von Rasenrobotern, die man, weil sie leise arbeiten, gern nachts arbeiten läßt. Zerstückeln viele , bes. Jungtiere. Es ist grauenhaft und die Tiere schreien ja nicht, wenn sie verletzt werden . Da sie bodenlebend sind, infizieren  sich die Wunden, der Eitergeruch zieht die dicken Schmeißfliegen an, sie legen ihre Eier in die Wunden und schnell schlüpfen die Maden aus, die erst mal das entzündete Gewebe fressen, dann aber ihren Weg durchs Bindegewebe in den Körper nehmen und alles was frißt, scheidet auch aus – womit das Schicksal der Igel besiegelt ist. Die Tiere werden so krank und tagaktiv gefunden . Häufig kann nur noch ein Tierarzt die Qual beenden. Andere Tiere wieder kommen rechtzeitig und bei sachgerechter Pflege, die oft sehr aufwändig ist, können sie später gesund der Natur zurück gegeben werden. Das sind immer die Glanzpunkte und die Freude der Igelstationsleute, wenn ein zuvor notleidendes Tier gesundet und frei wieder leben darf.

Nicht selten kommen Igel, die tagaktiv gefunden wurden und deren Ausscheidungen mit schon viel verraten -sie sind grünschleimig und lege ich eine Probe unter das Mikroskop, sehe ich die Auslöser der Darmentzündungen. Der Mangel an Insekten läßt die Igel zurückgreifen auf die  Nahrung, was noch verfügbar ist. Meist sind es Würmer und Schnecken und das sind die Zwischenwirte ihrer Innenparasiten. Der Igel lebt seit der Kreidezeit auch mit Innenparasiten, Als Sucher und Finder seiner Nahrung hat er auch in früheren Zeiten bereist Innenparasiten bekommen, wie so gut wie alle Wildtiere. Damit konnte sein Körper fertig werden und der Igel konnte seine etwa 8 Jahre leben. Nun ist er häufig stark verparasitiert und das schwächt ihn sehr, er wird krank und erreicht sein biologisch vorgesehenes Lebensalter  nur noch in wenigen naturbelassenen Zonen.

Wenn man einen Igel sieht, sollte man nicht meinen, wie unterschiedlich sie auch vom  Charakter her sie sein können, einige Igel scheinen dem Menschen sehr zugetan, öffnen sich leicht und schaun neugierig aus ihren kleinen schwarzen halbkugelförmigen Äuglein. Andere wieder rollen sich so fest ein, sie fauchen den Menschen an und boxen die Stacheln in die Hände der Finder oder Betreuer. Das ändert sich auch nicht,  wenn sie lange von Menschen versorgt werden.

So niedlich wie Igel auch sind, Kuscheltiere sind es nicht, es sind Wildtiere und wir sollten niemals versuchen , sie zu zähmen oder unsere Meinung, was gut für sie ist, auf die Igel übertragen.

Viele Menschen kaufen die tollsten Igelhäuser, um einen Igel in ihrem Garten anzusiedeln und zu behalten. Meist werden sie bitter enttäuscht und die Igel suchen sich die Gärten aus, die etwas unordentlich scheinen, in denen Wildkräuter wachsen , wo Holz, Strauchschnitt rumliegt, in dem sie sich verstecken können. Überhängende Zweige, die ihnen Schutz bieten sind sehr willkommen.

Es gäbe zu unseren stacheligen Mitbewohnern noch so viel zu sagen, aber es gibt gute Igelbücher auf dem Markt, als Igelstationsbetreiber ist es mir nur ein Anliegen, in einfach mal einem Aufsatz auch aufzuzeigen, dass wir in unserem Umfeld noch nachtaktive sehr zauberhafte nützliche Mitbewohner mit speziellen Bedürfnissen haben. Auf diesem Wege hoffe ich Interesse zu wecken, auch Interesse daran, sich schlau zu machen, damit man nicht so hilflos ist, wenn man mal ein notleidendes Tier findet.

Igelstationen sind nämlich Private Inititiativen, sie kommen und gehen sind von unterschiedlicher Kompetenz und auch bei Tierärzten ist man als Igelfinder oft nicht so gut beraten und versorgt. Igel gehören nicht zum Ausbildungsprogramm der Tierärzte, sie sind keine kooperativen Patienten und bringen meist mehr Flöhe als Mäuse (Geld) in die Praxis. Daher - - - -- -  Ich hoffe, es bessert sich noch mal und zwar schnell, denn das Wildtier Igel ist das am häufigsten in der Tierarztpraxis vorgestellte Wildtier und Menschen ,die so ein hilfloses Tier aufnehmen sollte man nicht enttäuschen, Zu viele haben nämlich kein Herz mehr im Leibe und gehen an der Not der Tiere achtlos vorbei.

Igelstationen sind auch keine Institutionen, auf deren kostenlose Leistung man 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr einen  Anspruch hat. Wir Betreiber sind wie die Finder  Privatpersonen, die sich viele Kenntnisse erarbeitet haben und viel Zeit und auch Kapital einsetzen, um dieser Spezies zu helfen.

Wir sind für verständnisvolle und rücksichtsvolle  Finder immer dankbar, die auch mal unser Privatleben akzeptieren und auch, wenn wir räumlich und zeitlich und finanziell überlastet sind, mal an andere Hilfsstellen oder Eigeninitiative verweisen müssen.

Helfen heißt nämlich nicht, das Problem aus der Hand zu nehmen und zu lösen. Wir helfen in der Regel gern, lassen uns aber nicht ausnehmen wie die Weihnachtsgänse.

Das muß auch mal gesagt werden.

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© K.Oehl

        

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