Emanuel Geibel (1815–1884)
Hoffnung
Und dräut der Winter noch so sehr
mit trotzigen Gebärden,
und streut er Eis und Schnee umher,
es muss doch Frühling werden.
Und drängen die Nebel noch so dicht
sich vor den Blick der Sonne,
sie wecket doch mit ihrem Licht
einmal die Welt zur Wonne.
Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,
mir soll darob nicht bangen,
auf leisen Sohlen über Nacht
kommt doch der Lenz gegangen.
Da wacht die Erde grünend auf,
weiß nicht, wie ihr geschehen,
und lacht in den sonnigen Himmel hinauf
und möchte vor Lust vergehen.
Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
und schmückt sich mit Rosen und Ähren,
und lässt die Brünnlein rieseln klar,
als wären es Freudenzähren.
Drum still! Und wie es frieren mag,
o Herz, gib dich zufrieden;
es ist ein großer Maientag
der ganzen Welt beschieden.
Und wenn dir oft auch bangt und graut,
als sei die Höll’ auf Erden,
nur unverzagt auf Gott vertraut!
Es muss doch Frühling werden.
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Ein mildes Rheinland – ein Rückblick auf den Winter
Auch in diesem Jahr hatten wir hier im milden Rheinland Glück. Es war wenig winterlich. Im näheren Umfeld hat der Winter allerdings ordentlich sein Können gezeigt: glatte Straßen, viel Schnee, Eisglätte, Unfälle – sogar mehrere tödliche –,Zugausfälle, Schulausfälle. Hier war nichts dergleichen oder nur mal ganz kurz. Gut so. Schon ist wieder der erste Monat des Jahres vergangen. Ältere Menschen werden den Eindruck nicht los, die Zeit verfliege immer schneller.
Frühe Boten des Frühlings
Im Garten blühen die Winterlinge. Auf dem Weg und im Garten erblühen die ersten Schneeglöckchen. Im Wald beginnen die Vögel sich wieder zu melden erste Revierbestimmungen scheinen im Gang zu sein. Und dann: Ich glaubte, ich höre nicht richtig die ersten Kraniche ziehen in großen Gruppen mit ihrem typischen Geschrei Richtung Norden. Dann kann der Frühling ja nicht mehr weit sein. Die Knospen an Bäumen und Sträuchern schwellen ,noch ist kein neues Blatt erschienen. Winter Blüher in den Gärten erfreuen uns inzwischen –zum Beispiel die Christrosen und verschiedene winterblühende Sträucher wie der Winterjasmin. Und es ist schon deutlich zu spüren: Die Tage werden länger. Und wenn man sehr genau riecht der Boden beginnt schon anders zu duften, richtig nach Frühling.
Zwischen Wald und Garten – Beobachtungen
Im Wald sieht man noch nicht viel vom Wiedererscheinen der Frühblüher. Die Gartencenter hingegen sind voll von Primeln, Hyazinthen und Narzissen. Nach den vielen grauen und nassen Tagen ist man geneigt, sich verfrüht den Frühling ins Haus zu holen. Hermine, die Bussard-Dame, ist seit Tagen nicht erschienen und hat sich ihr Frühstück nicht geholt. Ihr wird doch nichts passiert sein. Dafür laben sich die Krähen und Elstern am ausgelegten Futter. Ihre Verhaltensweisen zu beobachten ist ebenfalls sehr interessant.
Aufbruchsstimmung
Wen könnte es wundern, dass auch Menschen den Aufbruch spüren. Zwar ist es für den Frühjahrsputz noch etwas früh, aber der Drang, mehr zu tun zu putzen, zu waschen macht sich bemerkbar. Viele wirken deutlich positiver gestimmt. Auch unsere Haustiere drängen verstärkt an die frische Luft. Noch grassiert die Erkältungswelle überall. Bisher hat sie uns verschont. Aber alles deutet darauf hin: Es will – es muss doch Frühling werden.
© Karin Oehl

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