Schmerzende Kälte

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Da hat das neue Jahrzehnt uns kalt erwischt.

Nach dem zauberweißen vierten Advent, der unsere Gemüter erfreute und überraschte, kam nun der Schnee zum Neuen Jahrzehnt. Dieser hatte es gepaart mit eisiger Kälte und Sturmverwehungen in sich und kostete Nerven, böse Unfälle und noch nicht absehbar viel Geld. Neben den persönlichen Unglücken hierzu möchte ich hier ein paar Anmerkungen machen zu dem Thema *Obdachlose*. Morgens geweckt durch den Nachrichtensprecher – brachte mich sogleich eine Meldung auf die Palme, was schon viel heißt, wenn man total übermüdet in der Frühe von Null auf Hundert geht. Die Stichworte, die mir - noch nicht ganz wach - sofort sauer aufstießen lauteten:

"Wir überlegen, ob …" es ging da um die seit Wochen anhaltende Kälte, die nachts in den zweistelligen Bereich ging. Man (Behörde- Kommune – etc.) überlegt, ob man Zelte aufstellt für die Obdachlosen, man berät, ob die Rheinbahn die U-Bahn-Tunnel offen lassen soll in der Nacht! Ich wusste nicht, dass sie geschlossen werden, die Rheinbahn jedoch wehrte sich dagegen. Bereits neun Menschen waren in unserer Gegend erfroren aufgefunden worden - und man überlegt – jetzt schon – ob!!!!!! Es ist bekannt, dass viele Streetworker u. a. Hilfsgruppen, meist Ehrenamtliche – nachts auf Tour sind, zu helfen auch mit Essen usw. doch dass bestimmte Ämter mit Kompetenzen sich erst überlegen müssen, ob und was getan wird – war für mich angesichts dieser beißenden Kälte geradezu Hohn.

Wie warm kam mir da plötzlich meine Wohnung vor, bei der die Grade schon unter 18 Grad Celsius sinken, da die alten Nachtstromspeicher nicht genug wärmen. Das Schlafzimmer kann gar nicht geheizt werden, der Speicher dort funktioniert nicht, okay – bei den Strompreisen hatte ich ihn ehe nie an dort, doch wo ich es jetzt nur mal kurz wollte, bemerkte ich dass er gar nicht funktioniert. Fenster und Türen sind undicht in einem hundertjährigen Wohnhaus. Doch was heißt es schon, man hat Decken, Pullover und dicke Socken. Während des Berichtes hierüber abends in TV fror ich innerlich, als ich sah, wie man Obdachlose unter den Brücken aufspürt, wie sie da auf der Erde liegen. Sie jedoch wollen nicht mit zu einer Schlafstelle, weil man sie dort beklaut. Sie leben im Glauben einer gewissen Freiheit, die ihnen jedoch nicht erlaubt, es ein wenig besser zu haben, wenigstens in extremen Wetterbedingungen.

Die Schätzung von Fachleuten, wie lange ein Mensch überhaupt unter diesen Umständen leben kann, scheint ebenfalls stark untertrieben. Man gibt vor, dass sie in etwa um 15% eher sterben würden. Diese Zahl trifft schon allein für mich zu wegen meiner Herzinsuffienz. Ich denke, dass ihnen jedoch weit weniger Zeit bleibt, überhaupt halbwegs über die Runden zu kommen – will heißen Überleben nicht Leben! Und da gibt es noch unzählige, die ihren Strom nicht mehr zahlen können oder die trotz einer niedrigen Heizquelle in der Wohnung erfrieren.

Nachdenklich gehe ich später zu Bett, die warme Decke um mich geschlungen. mir gehen die Bilder nicht mehr aus dem Sinn. Hilfe sollte einfach ab einem gewissen Punkt spontan einsetzen und nicht erst erwogen werden. Im humanen Sinne geht es in Not doch immer zuerst um das WIE und nicht um das WARUM …

amanfang 2 270

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