Der Zenit ist überschritten

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Der Zenit ist überschritten. Deutlich werden die Tage schon wieder kürzer. In diesem Jahr ist es bisher nicht so heiß und trocken, wie in den zwei Jahren vorher. Die Natur wirkt frischer.

Die Tage, Wochen, Monate - sie vergehen so viel schneller als in den Jahren zuvor. Kommt es uns nur so vor? Der Geburtstag ist längst vorbei, der mir mehr als deutlich machte- das Maßband wird immer kürzer. So viel habe ich noch zu tun, zu erledigen. Werde ich es schaffen, ein bestelltes Haus zu hinterlassen?

Immer häufiger drängen sich solche Gedanken auf. Wenn ich mein Umfeld betrachte und erlebe, wie die Kräfte schwinden, sehe ich es kommen, dass es mir geht, wie meiner Mutter. Sie hinterließ so viel Unbearbeitetes Ungeregeltes, Unaufgeräumtes.

Genau das wollte ich nie und doch sehe ich es so ich komme oft an meine Grenzen. Bei meiner Mutter habe ich es noch nicht verstanden. Damals war ich voller Kraft und Tatendrang und habe sie mit meinen Forderungen sicherlich oft überfordert.

Ich wollte ihr helfen, Nein, sie wollte es nicht, Will ich es von meinen Kindern? Nein, ich will selbst bestimmen, was ist mir noch wichtig, was kann auf den Müll der Zeit.

Die Tage sind so durchgetaktet, dass kaum Spielraum bleibt für so wichtige Dinge. Und immer hoffe ich, dass ich Zeit finde, die Kraft ausreicht, alles zu tun, was mit wichtig ist, zu ordnen, was Wert hat, vielleicht auch noch für meine Kinder. So hege ich noch handgeschriebene Rezepte, die meine Mutter mir mal aufschrieb.


Wenn ich gehe, kommt dann der große Container, ungesichtet, hinein und weg damit? Der Gedanke schmerzt. Aber es wird wohl so kommen. Was mir wichtig war an Erinnerungen, Informationen, Gegenständen, die ich geliebt habe, sie werden ausgesondert wie ich es mit Dingen meiner Mutter machen musste.

Unsere Kinder können und wollen nicht alles aus unserem Haushalt bei sich integrieren. Erinnerungsstücke vielleicht, vielleicht Dinge, die ich gar nicht so wichtig fand? Es eilt die Zeit im Sauseschritt und wir eilen mit.

Gedanken kommen und gehen. Und jetzt? Jetzt beende ich meine Pause, die mir mein krankes Kreuz vorschrieb und gehe wieder an die Arbeit. Es ist noch so viel zu tun. Alltägliches, eben.
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©  Karin Oehl

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