Anna Michalak

Anna Michalak

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Anna

Geboren am 30. März 1986 in Breslau

Buchstaben sind ihr Hobby! Sie liest, schreibt, tippt, und gestaltet gerne! In der Freizeit treibt sie Sport, kocht, geht reiten, auf Partys und in Bars, und trifft sich mit Freunden.

Seit 1997 hat sie eine starke Hör- und Sehschädigung aufgrund einer ungeklärten Infektion. Ihr Sehvermögen beträgt 5%, aber sie kann, wie sie sagt, noch fast jede Schriftgröße lesen. Geräusche kann sie noch ganz gut hören, aber die Sprache der Menschen nicht mehr verstehen.
Trotzdem versucht sie ein normales Leben zu führen, wie es eben so geht.

 

Schulisches
Ihre Schulzeit an der Oberstufe war die schönste...

Durch eine Integrationsmaßnahme konnte sie, die seit 1997 durch eine ungeklärte Infektion fast ihres gesamtes Hör- und Sehvermögens beraubt worden ist und von daher ihre mittlere Reife an einer Sonderschule für Hörgeschädigte machte, dem Unterricht folgen.

Dabei wurden ihr die Unterrichtsinhalte auf Laptop über eine zusätzliche Tastatur durch angestellte Integrationshelfer mitgeschrieben, sozusagen Unterricht aus 2. Hand. Bei den Klausuren erhielt sie noch zusätzlich Zeit, so dass sie meist fertig schreiben konnte. Manchmal führte dies schon zu Missverständnissen und Durcheinander, besonders wenn der Unterrichtsverlauf unübersichtlich oder chaotisch ausartete...
Aber im Großen und Ganzen bekam sie doch das Wesentlichste mit und bei Fragen konnte sie eine email schreiben. Während die 11. Klasse noch mit Startproblemen in der Kommunikation mit Lehrern und Schülern sowie in den Fächern einherging, lief die Qualifikationsphase weitaus besser ab.

Einen Höhepunkt in ihrer Schulzeit fand die Studienfahrt nach Wien im Mai 2004. Obwohl sie die vielen Besichtigungen und Trips anstrengend und manchmal nicht sehr ergiebig fand, hat sie es doch sehr genossen, mit ihren Mitschülern zusammen zu sein.

2005 hat sie dann ihr Abi bestanden, es war zwar schwer, aber sie hat es geschafft!

Anmerkung von Abenteuer-Literatur: Hut ab eine beindruckende Leistung

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Studienzeit
Seit Oktober 2005 studiert Anna an der Uni Gießen im Magisterstudiengang.Ihr Hauptfach ist Deutsche Sprachwissenschaft (Germanistik), das 1. Nebenfach Computerlinguistik und Angewandte Sprachwissenschaften und das 2. Nebenfach Literaturwissenschaft (Germanistik)

Hier könnt ihr Infos über die Uni Gießen einziehen: www.uni-giessen.de.
Aller Anfang ist chaotisch... Annas nicht minder, wenngleich ihre Erlebnisse sich wohl schon etwas von denen der anderen Erstsemester unterscheiden wenn ihr Interesse daran habt wie Anna sich bei ihrem Studium fühlt, lest hier............weiter.

Annas Bücher

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Die Schlange von Amegien
ISBN: 3-938607-22-X
1. Auflage Auflage 2005_04 bei Engelsdorfer Verlag
Preis: 18,00 EUR

Kurze Inhaltsangabe:
Die Icherzählerin wird von der Erde in eine andere Dimension – Amegien mit Namen – verschlagen. Die Königin von Amegien hat für sie eine Aufgabe parat, derentwegen sie viele Abenteuer und Gefahren auf sich nehmen muss. Sie begegnet vielen unerklärlichen Phänomen und Wesen, Amegien ist eine fremdartige Welt. Nach etlichen Etappen erreicht sie die Burg Colois in den Koma-Ebenen und muss sich dem Kampf gegen das Böse stellen...

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Die Prinzessin von Amegien
ISBN: 3-939144-91-6
1. Auflage Auflage 2006_03 bei Engelsdorfer Verlag
Preis: 16,80 EUR 

Kurze Inhaltsangabe:
Die Schwestern der Königin Anj planen eine Machenschaft, die ihnen den Thron zusichern soll. In der Burg herrscht Verwirrung, hat Anj die Thronfolge ungeregelt gelassen? Der Ich-Erzählerin wird eine abenteuerliche Reise beschert, die durch das Reich der Vergessenen Geister und schließlich in das verhängnisvolle Wasserlabyrinth unter der Burg führt. Die Königin hat ein Geheimnis, dessen Verteidigung sich als sehr gefährlich erweist.

weitere Infos zu Annas Büchern........... findet ihr hier
Leseproben zu den Büchern



Die Presse über Anna

Laptop hilft den Sinnen -Anna Michalak schaffte ihr Abi trotz großer Einschränkungen

Anna Michalak ist 19 Jahre alt. Vor wenigen Wochen hat sie ihr Abitur an der Wetzlarer Goetheschule bestanden, Leistungskurse Deutsch und Biologie, Notendurchschnitt 2,7. Im Wintersemester möchte sie ihr Studium an der Uni Gießen beginnen. Die Zeit, die ihr daneben noch bleibt, nutzt sie, um ihren zweiten Roman zu schreiben. Das alles klingt nicht ungewöhnlich. Das wird es erst, wenn man Anna näher kennt: Vor acht Jahren verlor sie fast ihr gesamtes Hör- und Sehvermögen.

Bis zu diesem Zeitpunkt lebte Anna ein normales Leben, besuchte in Weidenhausen eine Grundschule mit Förderstufe. Doch 1997 erkrankte sie plötzlich an einer Infektion, deren Ursache bis heute ungeklärt ist. Die Auswirkungen betrafen vor allem Annas Hör- und Sehvermögen. „Mein Sehvermögen beträgt, wenn man den Ärzten glaubt, 5 Prozent“, sagt Anna.  „Aber ich kann noch jede Schriftgröße lesen, muss mir allerdings alles vor die Nase halten. Alles ist irgendwie unscharf geworden. Hören kann ich Geräusche noch ganz gut. Aber die menschliche Sprache verstehe ich kaum mehr.“

Mit einem Mal änderte sich Annas Welt und auch das Verhalten der Menschen um sie herum: „Dass mein Sehvermögen verschwand, ist mir eigentlich nicht bewusst geworden“, erzählt sie. „Das mit dem Hörvermögen war schon schwerwiegender. Ich war oft sehr deprimiert und meine Freunde von der Grundschule sowie die Lehrer kamen nicht gut damit zurecht. Der Unterricht lief an mir vorbei, da ich auf die Hilfe der Mitschüler angewiesen war – und die mussten ja selbst aufpassen.“

So wechselte Anna 1998 auf die Sonderschule für Hörgeschädigte nach Friedberg. Sie besuchte den Realschulzweig und machte, wie sie selbst erzählt, eine überragend gute Mittlere Reife. Da wollte sie natürlich auch das Abitur absolvieren. Damit gingen die Probleme jedoch weiter: In Essen existiert zwar eine Oberstufe für Hörgeschädigte. Die sei, so Anna, aber aus verschiedenen Gründen nicht  geeignet für ihre Situation. Zum einen ist da die große Distanz zum heimischen Wetzlar, wo sie seit dem Jahr 2000 wohnt. Zum anderen konzentriert sich diese Schule auf Hörschädigung, nicht aber auf Sehgeschädigte, oder etwa sogar eine Kombination aus beidem, wie in Annas Fall.

So entstand langsam der Entschluss, es an der heimischen Oberstufe der Goetheschule zu versuchen. Gespräche mit der Schulleitung und Integrationsbeauftragten fanden statt und schließlich willigte die verantwortlichen Stellen ein, es zumindest zu versuchen. Eine ungewöhnliche Situation nicht nur für Anna, sondern auch für die betroffenen Lehrer.

Der Laptop wurde plötzlich zu Annas wichtigstem Hilfsmittel. Während der Schulzeit kümmerten sich abwechselnd 2-3 Integrationshelfer um die Oberstufenschülerin. Sie tippten das Unterrichtsgeschehen ein, Anna verfolgte alles am Bildschirm. Da viele Lehrer auch Annas ebenfalls beeinträchtigte Artikulation nicht verstehen konnten, musste sie die meisten Fragen ebenfalls über Laptop stellen. Die Klausuren erhielt Anna zum besseren Lesen in vergrößerter Form, außerdem bekam sie mehr Zeit zum Bearbeiten. Selbst die mündliche Abiturprüfung absolvierte sie per Laptop.

Natürlich brachte das auch Probleme mit sich, wie Anna erzählt: „Schwierig war es manchmal, dass die Gespräche mit den Lehrern oft nur über die Integrationshelfer liefen. Die Lehrer brachten mir anfangs auch nicht viel Verständnis entgegen. Manche versuchten, mit meinen Integrationshelfern Unterricht zu machen statt mit mir. Erst in der 12 kamen die Lehrer auch mal für Gespräche selbst an den Laptop.“

Gute Erfahrung hat Anna mit ihren Mitschülern gemacht. „Das war auf alle Fälle positiv und gestaltete sich besser als erwartet. Ich wurde zunehmend auf Partys eingeladen und war auch bei anderen Unternehmungen anwesend, nachdem sie herausgefunden hatten, wie man mit mir umgeht. Das waren immer sehr nette Abende mit viel Spaß. Und die Studienfahrt nach Wien war auch ein schönes Erlebnis.“

Annas Antwort auf die Frage ob sie denn stolz auf das Geleistete sei – viele Schüler ohne Behinderung schnitten mit deutlich schlechterem Abitur ab – überrascht zunächst. „Als ich nach der letzten Prüfung heimkam, war ich entsetzlich enttäuscht. Mein Ziel war 2,6 gewesen.“ Aber die Enttäuschung dauerte nicht lange, wie sie sagt: „Weil mir so viele dazu gratulierten.“

Inzwischen hat Anna ihre Bewerbung an die Uni Gießen schon abgeschickt und wartet auf den Zulassungsbescheid. Dort möchte sie Germanistik und Computerlinguistik studieren, einer Kombination von Informatik und Sprachwissenschaften, bei der es nach Annas Aussage um die Sprache im Bereich von Computern und anderen technischen Systemen geht.

Daneben ist das Schreiben ihre große Leidenschaft. Bereits vor fünf Jahren begann sie die Arbeit an ihrem ersten Fantasyroman „Die Schlange von Amegien“. „Ich habe aber nur an den Wochenenden geschrieben und wenn ich nicht in Klausurstress war. Ich hatte schon immer eine große Fantasie.“ Ursprünglich habe sie nur aus Aussichtslosigkeit geschrieben, erzählt sie: „Ich war 14 und hatte noch keine Idee, was ich in der Zukunft machen sollte, außerdem dachte ich bei meiner Behinderung nicht, dass ich irgendeinen Beruf ergreifen könnte, der mir auch Spaß machen würde. Der Frust hat mich dazu animiert, zu schreiben.“

Die Geschichte selbst sei jedoch nicht frustrierend. Es geht um eine Person, die in einer anderen Dimension Abenteuer bestehen und eine Aufgabe erfüllen muss. Im Grunde sei sie selbst die Hauptperson, sagt Anna, allerdings gäbe es auch Unterschiede. „Eigentlich kommt wenig von mir selbst zum Ausdruck, ich kann dort zum Beispiel einwandfrei hören und sehen. Bei der Aufgabe geht es um etwas, das nur ich bewältigen kann, weil ich dazu eine bestimmte Begabung habe.“ Hauptthema sei der Kampf Gut gegen Böse.

Eine Freundin kannte eine Autorin des kleinen Engelsdorfer-Verlags und empfahl ihn Anna. Sie mailte den Verlag kurzerhand an und übersandte das Manuskript ihres Werks. Tatsächlich willigte der Verlag nach 2 Wochen Wartezeit ein, den Roman zu veröffentlichen,

Pläne für die Zukunft hat Anna schon gemacht. Zunächst das Studium absolvieren, wenn möglich, möchte sie später in einer Softwarefirma arbeiten. „Ansonsten schreibe ich Bücher“, sagt sie selbstbewusst. An ihrem zweiten Werk – wieder ein Fantasyroman – arbeitet sie bereits.

Aus der WNZ vom 30.7.05


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Klar ausgedrückt.......von Anna

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Menschen, die eine Behinderung haben, werden in der Öffentlichkeit oft übergangen. So erlebe ich es nur allzu oft, dass die Leute lieber meine Begleitung ansprechen, auch wenn sie schon eine Ahnung von meinem Handicap haben. Ich kann es ihnen nicht verdenken und ich versuche sie zu verstehen. Jeder hat so seine Hemmungen und Probleme. Trotzdem ist es manchmal etwas enttäuschend, dass die Leute nicht einfach erfahren wollen, was für Persönlichkeiten sich hinter der äußeren Kulisse verbergen.
Wenn es jemanden an etwas mangelt, entwickelt er an anderer Stelle ganz erstaunliche Fähigkeiten! Diese sind immer entdeckenswert...Man müsste den Menschen schon etwas mehr zutrauen, finde ich. So war ich beispielsweise ein paar Mal ohne irgendwelche Begleitung unterwegs, sowohl in der Schule als auch jetzt im Studium. Ich hatte durchweg positive Erlebnisse an solchen Tagen.

Ich will niemanden mit meiner Anwesenheit belasten, niemanden in eine peinliche Situation versetzen, in der er einfach nicht weiß, wie er mit mir umzugehen hat. Es ist leider auch oft der Fall, dass die Menschen sich in der Gruppe nicht trauen, auf so eine gehandicapte Person zuzugehen. Jeder denkt: „Der andere macht es, warum soll ausgerechnet ich?“ Es braucht schon ein bisschen Mut, man wird von den anderen beobachtet...Aber dieses Beobachtetsein ist an sich nicht schlecht, dadurch erfährt die Umwelt, dass ich nicht beiße...So war das auch an den Tagen, wenn ich mal alleine in der Reihe saß. Erst Tröpfchenweise, dann immer häufiger gesellten sich Leute zu mir.Leider ist das bei Ortswechseln, wie etwa der Übergang von der Oberstufe zum Studium, ein etwas langwieriger Prozess, aller Anfang ist eben schwer.

Annas Glaube zu Gott

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Der Glaube an Gott hält mich aufrecht. Es ist einfach tröstlich zu wissen, dass da eine Allmacht ist, die mich durch das Leben führt. Natürlich gibt es immer Situationen, wo sich Zweifel breit machen. Aber Gottes Wege sind unergründlich und führen oft über verschlungene Seitenpfade. Daher muss ich ihm einfach vertrauen, dass alles seine Bedeutung hat und ich mir keine Sorgen um die kleinen und großen Sachen zu machen brauche.
Klar kann ich es mir nicht verkneifen, über Probleme und Schwierigkeiten zu grübeln, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele oft von selbst auflösen, wenn man die nötige Geduld aufwendet.
Seit Januar 2006 besuche ich die SMD, eine christliche Jugendgruppe. Dort habe ich bereits vieles über Gott und sein Wirken erfahren. In Kleingruppen wird die Bibel nach Themengebieten aus dem Alltag besprochen. Wenn ihr etwas mehr über die SMD erfahren möchtet, schaut unter

 www.giessen.smd.org nach.Ich bin noch nicht sehr lange von Gottes Liebe zu uns Menschen überzeugt. Es mussten erst mal ein paar grundlegende Zweifel beseitigt werden. Bis ich zur Oberstufe und später zur Uni kam, dachte ich gar nicht, dass ich einen Platz in Gottes Plan habe. Zudem kam da immer wieder der Konflikt mit meiner Behinderung hinzu, ich war zeitweise sehr deprimiert und fragte nach dem Sinn meines Lebens. Warum ausgerechnet ich? Aber mittlerweile habe ich begriffen, dass Gott für mich da ist. Er antwortet zwar nicht gleich auf meine Gebete, doch er nimmt sie zur Kenntnis.  Und er handelt nach seinem Ermessen. Manchmal kamen schon ganz abwegig erscheinende Lösungen eines Problems zustande.Ich versuche meinen Mitmenschen auch ein wenig von Gottes Liebe entgegen zu bringen, bemühe mich um Freundlichkeit und Geduld, unterdrücke meine verärgerten Äußerungen so gut es eben geht. Natürlich klappt es nicht immer, es gibt Situationen, wo mir der Kragen platzt. Aber aus Fehlern kann man lernen und Gott ist ein gnädiger und barmherziger.

Anna und die Malerei

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Ich greife gerne zu Stift und Farbe und Pinsel und Papier. Es macht mir Spass, mit Farben zu kreieren und zu malen. So stelle ich euch hier ein paar meiner Bilder vor. Nachfolgend dargestellt sind einige Arbeiten von Anna.

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Annas Alltagsbegebenheiten

Obwohl ich die meiste Zeit zu Hause verbringe, kann man mich auch mal unterwegs auf der Straße oder auf Partys sehen. Aber alleine nicht, Begleitpersonen sind meist gute Freunde und Bekannte. Ich lasse mich öfters an die Hand nehmen, nicht nur, damit ich nicht über irgendetwas stolpere, sondern weil ich mir zu der Seh- und Hörschädigung auch eine Motorik- und Gleichgewichtsstörung zugezogen habe. Die ist aber nicht so ausfallend, dass meine Freundin oder ein Bekannter nicht damit zurecht kommen würde. Kleine Probleme treten höchstens bei unebenen Strecken oder unvorhergesehenen Stufen auf. Tatsächlich bin ich meinen Freunden fast nie hingefallen...Wegen meines schlechten Sehvermögens kann ich die Gesichter der Menschen schon in geringem Abstand nicht mehr erkennen, sie sind dann nur noch verwischte weiße Flächen. Deshalb wundert euch nicht, wenn ich euch nicht zuwinke oder grüße, wenn ihr nicht direkt vor mir steht. Gute Freunde kann ich inzwischen ganz gut an Kleidung, Haltung, Statur und Frisur ausmachen. Im Menschengewühl kann ich mir aber selten sicher sein, wirklich denjenigen vor mir zu haben...Aber es macht mir immer großen Spaß, auf Partys, zum Shoppen oder Schwimmen oder sonst wohin zu gehen. Wenn nicht gerade Papier und Stift vorhanden sind, dann schreiben mir meine Mitmenschen in Großdruckschrift auf die Handfläche. Einige bringen es auch fertig, mich nur mit Gestik und Mimik zu unterhalten, was seeehr amüsant sein kann! 

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Diese Vergnügungen sind aber in der Regel nicht sehr häufig. Ich versuche immer, mich zuhause zu beschäftigen, damit ich nicht die Einsamkeit spüre. Manchmal schaue ich unzählige Male am Tag nach emails von Freunden aus, denn das ist so ziemlich die einzige Art, mich außerhalb der Treffen zu erreichen. Telefonieren kann ich nicht, ein Fax und Handy habe ich nicht. Nur das Internet bleibt. Und natürlich Briefe! Ich liebe es, wenn ich Post bekomme. An Geburtstagen und besonderen Anlässen häufen sich oft die Karten und Briefe. Briefe schreiben tu ich auch – natürlich -, und mein längster Brief war 22 Seiten lang! Da hatte meine Freundin echt etwas zu lesen... Ich habe aber nur eine Brieffreundin, mit der ich mir seit 5 Jahren schreibe.  Sie hat es bislang nie geschafft, meinen Briefumfang zu toppen, aber das ist auch nicht wichtig!Das Reiten ist auf heilpädagogischer Basis und soll meinem Gleichgewichtssinn gut tun, was es auch wirklich tut. Ich habe das größte Pferd aus dem Stall, wo ungefähr 5 Pferde zuhause sind. Im Moment üben wir Trab und über Stangen springen, Kurven und Wendungen müssen trainiert werden. Mein Ziel ist der Galopp! Beim 1. Galoppversuch vor vielen Wochen bin ich aus dem Sattel geflogen. Ich saß in der Kurve etwas zu weit außen, und als die erste Schwungbewegung kam, konnte ich mich nicht halten und flog im „eleganten“ – nach Aussage der anderen – Bogen aus dem Sattel. Ich landete gerade noch vor der Absperrung aus Baumstämmen im Sand. Die Blessuren stellten sich erst am nächsten Tag im vollen Umfang ein: Rückenschmerzen, leichte Kopfschmerzen und ein paar blaue Flecken. Aber trotzdem gebe ich nicht auf!!! Der Galopp soll gekonnt werden!

Der Reitunterricht – als Einzelstunde - läuft zum Teil über handgeschriebene Zettel, zum Teil über das Auf-die-Hand-schreiben. Vormittags, wenn die Sonne scheint, ist es auf dem Platz immer sehr warm, da komme ich ins Schwitzen! Aber ich liebe das Reiten und würde es nicht aufgeben. Es ist einfach ein schönes Gefühl, sich von etwas tragen zu lassen... gell?!Shoppen ist wohl mehr oder weniger eine Lieblingsbeschäftigung jedes Girls. Meine natürlich auch, wenn ich mal soweit bin... Denn ich muss erst mal jemanden finden, der mit mir zusammen loszieht. Meine Eltern haben nicht viel Zeit und auch nicht die allergrößte Ausdauer , wenn es darum geht, von Laden zu Laden zu laufen  und alles durchzuwühlen... Meist bin ich da schon recht gründlich, ich halte mir fast jedes Kleidungsstück dicht vor die Augen und befühle den Stoff und probiere es schließlich auch an. Im Vorbeigehen würde ich so einfach nicht fündig werden, da muss ich mich schon richtig ranmachen und alles unter die Lupe nehmen

Mit Freundinnen gefällt es mir am besten. Es ist auch toll, wenn sie mir mal beim Suchen helfen und mir einige Vorschläge hervorkramen, wenn ich eine bestimmte Bluse oder eine Jeans suche. Ein Nachteil ist da auch wieder mein schlechtes Sehvermögen, denn ich sehe die Kleidung sonst nur als bunten Fleck und muss schon sehr dicht dran treten, um Einzelheiten zu erkennen. Bei der Anprobe ist eine kritische Musterung von meiner Freundin sehr erwünscht: Steht mir die Farbe? Sieht es billig aus? Doch lieber eine Nummer kleiner oder grö0er?... Ich achte meist nur darauf, ob das Kleidungsstück sitzt und nicht wie es an mir aussieht!Viel reden kann man da ja nicht, aber wenn der Bummel nachher in einem Café endet, dann ist das ein toller Abschluss.Kochen tu ich gerne. Aber ein Meisterkoch bin ich noch lange nicht... Beim Braten hab ich z.B. Schwierigkeiten, da man die Brutzeleien schnell und geschickt wenden muss... Beim Schneiden von Gemüse habe ich auch ein bisschen Probleme. Bei mir geht es eher langsam voran, und das kann manchmal heikel werden, weil da schon das Wasser kocht oder die Soße blubbert und anderes. Aber ich bin sicher, mit der Zeit und der Übung wird es klappen. Ganz stolz bin ich auf meine Kartoffelschälerkünste, da übersehe ich kaum noch etwas und erledige dies auch relativ schnell und flüssig mit dem Sparschäler. Nudeln und Reis und tiefgefrorenes Gemüse und sonst was geht ganz gut.Mit den Mengenverhältnissen habe ich mich auch noch anzufreunden. Messbecher und Waage sind oft mit zu kleinen Einheiten für mich ausgestattet, deshalb verwende ich Gläser oder Schüsseln, die ich je nach Bedarf auffülle. Einmal habe ich eine kleine Schüssel mit kleinen Nudeln voll gefüllt. Der Topf war dann rappelvoll! Nächstens nehme ich eine Dreiviertelschüssel...Trotz – oder auch wegen – meiner Behinderung treibe ich sehr gerne Sport. Natürlich muss ich mich da auch einschränken, so war ich z.B. noch nie in einem Fitness-Studio und Mannschaftsspiele sind auch tabu. Vor meiner Behinderung habe ich sehr gerne Völkerball gespielt, mehr schlecht als recht, aber Spaß gemacht hat es. Doch nun mache ich eher alleine zuhause oder draußen ein bisschen Bewegung: spazieren gehen, manchmal joggen – komme da aber immer sehr außer Puste - , einen Heimtrainer haben wir auch noch, Gewichte stemmen und Gym mit einem Dehnband. Schwimmen gehe ich mit Begleitung, leider höchst unregelmäßig. Und wenn das Wetter einigermaßen ist – im Moment nicht - , findet man mich beim Seilspringen draußen auf der Terrasse. Manchmal tanze ich auch ein bisschen, wenn gerade niemand im Zimmer ist . Ich versuche mich möglichst fit zu halten, denn meine Sehbehinderung führt bei Schreibtisch- und Laptoparbeit oft zu verspanntem Nacken und Schultern. Aber das ist halt ein Teil meines Lebens.

Ich verbringe viel Zeit in meinem Zimmer. Und so sieht es auch darin aus... aufgeräumt und ordentlich! Ich habe eine Unmenge von kleinen Sachen, wie Nippes, Schlüsselanhänger, Steinchen, Muscheln etc. etc. Es macht mir Spaß, sie auf meinem Schreibtischbord auszustellen. Aufgeräumt ist das Zimmer auch deshalb, weil ich nicht lange suchen will. Ist ne blöde Sache, wenn ich mal was suchen soll: liegt was direkt vor der Nase, so finde ich es meist nur, wenn ich daran stoße. Ich besitze eine Unzahl von Bilderrahmen, die an den Wänden hängen und auf Möbeln stehen. Meist sind es ganz verschiedenartige Fotos von mir, ein paar schöne Postkarten... Fotos von Freunden bekomme ich nur selten in die Finger, aber die werden auch ausgehängt!Blau und Orange herrschen hier vor. Die Tapete ist orange, ich finde das schön gemütlich. Im Moment wird neu tapeziert, und ich bleibe der Farbe treu. 


Interview

Anna, um dein künstlerisches Wirken zu würdigen, stelle ich dich heute unseren Lesern im Portrait vor. Ich würde mich freuen, wenn du mit der Beantwortung der nachfolgenden Fragen, einen kleinen Einblick in dein Leben ermöglichst.

Abenteuer- Literatur:
Anna wie und wann bist du zum Schreiben gekommen ?

Ich hatte schon immer eine ausgeprägte Phantasie und habe mir als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Als ich dann mit 14 Jahren den 1. Roman anfing, tat ich das allerdings zuerst aus Verzweiflung. Ich hatte keine Perspektive, ich wusste nicht, was ich mit meinem Leben nach Abschluss der Sonderschule anfangen sollte. Ich wollte etwas auf die Beine stellen. Der Spaßfaktor entwickelte sich dann nach und nach.

Abenteuer- Literatur:

Worin liegt der Schwerpunkt bei deiner literarischen   Arbeit, was möchtest du mit deinen Arbeiten zum Ausdruck bringen ?

Meine ersten zwei Bücher sind blosse Fantasy- Romane. Ich schreibe gerne längere Texte, am besten verwickelte Geschichten. Ich habe mir nur eine Dimension vorgestellt, wo ich frei von meiner Behinderung bin, aber nicht der Welt zugehörig. Klar kommt in den Büchern auch viel von mir selbst rüber, ich habe meine Gedanken oft in die einzelnen Figuren eingewoben.

Abenteuer- Literatur:

Welchen Leserkreis sprichst du mit deinen Texten an ?

Eigentlich alle, die gerne Fantasy lesen und sich nicht über anfängliche stilistische und grammatikalische Ausuferungen in meinem ersten Buch ärgern...

Abenteuer- Literatur:

Welche Art von Literatur sagt dir persönlich zu, welches ist dein Lieblingsbuch ?

Ich lese eigentlich alles, was mir nur lesenswert erscheint... Krimi, Fantasy, alle möglichen Romane, Dramen, Biographien usw. Es gibt keine Grenze bei meiner Lesewut. Harry Potter habe ich in Rekordzeit verschlungen, die Romane von Ken Follett finde ich sehr spannend und gut erzählt, auch Kathy Reichs spricht mir zu.

Abenteuer- Literatur:

Welche Funktion hat Literatur generell für dich ?

Funktion? Eine ablenkende. Kurz nach meiner Erkrankung habe ich fast nur gelesen, weil ich vor der Realität fliehen wollte. Eine bildende Funktion hat sie auch, so denke ich oft über die Geschichten nach und versuche Bezüge herzustellen.

Abenteuer- Literatur:

Wie reagierst Du auf negative Kritik, hinsichtlich deiner literarischen Arbeit?

Inzwischen gar nicht. Man kann es nicht allen recht machen. Und ich bin schon selbstkritisch genug...

Abenteuer- Literatur:

Bezüglich der Pisa Studie wird behauptet, das unsere Jugend zu wenig Bücher liest teilst du diese Meinung?

Ist die mangelnde Auseinandersetzung mit Literatur im herkömmlichen Sinne, vielleicht ein Grund für den Leistungsabfall im Denken schlechthin ?

Ich denke schon, dass die Jugend von heute zu wenig Freude am Lesen hat. In der Oberstufe bekam ich oft Gemurre bezüglich der zu lesenden Lektüre zu hören, weil die Mitschüler lieber etwas anderes, etwas Kommunikativeres, tun wollten. Lesen ist ein Prozess, in dem man mit sich selbst beschäftigt ist.Häufiges Lesen stabilisiert jedenfalls die Kenntnisse des Deutschen und den Umgang mit der Sprache. Deshalb kann mangelndes Lesen tatsächlich zu einem Leistungsabfall führen.

Abenteuer- Literatur:

Welche Rolle spielt die  Religion, oder besser gesagt der  Glaube in deinem Leben und warum ?

Ich brauche Kraft und einen Halt im Leben, den mir nur Gott geben kann. Es ist für mich tröstlich, einen allmächtigen Schöpfer über sich zu wissen, der uns hilft und dem wir vertrauen  können. Und ich brauche ein Vertrauen in dieser Zeit, das mich nie enttäuschen wird.

Abenteuer- Literatur:

Möchtest du unseren Lesern etwas zu deiner Behinderung erzählen ?

Ich habe seit 1997 eine schwere Hör- und Sehschädigung, die die Kommunikation mit anderen Menschen sehr einschränkt, und eine Gleichgewichts- und Motorikstörung.

Abenteuer-Literatur:

Wie beeinträchtigt dich diese Behinderung im täglichen Leben ?

Ich kann z.B. nicht alleine auf die Strasse. In der Uni geht das ja, da kenne ich mich inzwischen gut aus. Aber wenn ich aus dem Haus gehe, brauche ich eine Begleitung, die mich an der Hand führt und auf Stufen etc. hinweist. Manchmal würde ich gerne mal alleine losziehen.

Tags: Portrait

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