Kristina Schneider

Shaya bekam so langsam echt Kopfweh. Aber trotzdem hörte sie nicht auf, mit ihrem Kopf auf den am Boden festgeschraubten Tisch zu schlagen. Viel anderes konnte sie dank ihrer Zwangsjacke auch nicht machen. Die Tür wurde aufgerissen und eine gestresste junge Frau kam herein. Sie hielt mit sicheren Griffen Shayas Kopf fest.

„Shaya, hey, hörst du mich?“

„Ja.“

Die Frau drückte ihr eine Handvoll bunter Tabletten und eine Wackeltasse mit Wasser in die Hand, die Shaya willenlos schluckte. Sie spürte, wie sich ihre Sinne langsam ausschaltetet. Aber ihr Körper rebellierte langsam gegen all die Psychopharmaka, die sich seit fast einem Jahr ihres jungen Lebens mehrmals täglich nehmen musste. Als ihre Beine langsam wegknickten, hob die Frau sie in ihr ebenfalls am Boden festgeschraubtes Bett. Shaya schlief sofort ein. Sie wurde erst wieder wach, als es draußen schon Stockdunkel war. Ihre Beine zitterten immer noch, als sei an dem kleinen Plastikglasfenster stand und auf den Mond starrte. Ihre Nase juckte, aber sie war zu schwach um sich zu kratzen. Außerdem hinderte die Zwangsjacke sie daran. Sie legte sich wieder auf ihr Bett und schloss ihre Augen.

 

 ©2001, Kristina Schneider




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