Radiobörse (Pressetext 2)

Jäger und Sammler

Bei der 30. Radio- und Grammophonbörse in Datteln sind die 50er Jahre allgegenwärtig.
Zahlreiche Interessenten öffnen die Augen und den Geldbeutel
Datteln. Zeitsprung, zurück in die 50er Jahre. Herrlich, was gestern in der Dattelner Stadthalle abging. Die 30. Internationale Radio- und Grammophonbörse hatte so ziemlich alles, was das verklärte Herz der Jäger und Sammler begehrte. Und die anderen staunten ebenfalls nicht schlecht.
Anbieter reichlich, und Interessenten, die ihre Nasen neugierig in mächtige Grammophontrichter steckten, gab es noch einmal so viele. Durch die Reihen schnüffeln, stilechten Zigarrenqualm und jede Menge Inspiration einatmen - welch´ ein Tag.
Kofferradios, Weltempfänger, Schellackplatten. Manche Dinge, abgegriffen und längst abgelöst vom Fortschritt, sorgen halt noch immer für Aufsehen - und berühren ungewollt die Herzen der Betrachter.
Die Tänzer der Hot Peppers aus Mönchengladbach lassen auf der Bühne zu Jerry Lee Lewis ("Whole Lotta shakin´") oder dem Gene-Vincent-Kracher "Be Bop a lula" mit VHS-Chef Erwin Bawulski geschmeidig die Hüften kreisen - die Dame im Petticoat, der Herr mit Hosenträger - und auch in der Halle zu ihren Füßen geht´s hoch her. Sehen, verhandeln, Kohle raus. Ein Mann strahlt wie ein Kind, unterm Arm ein Buch mit dem Titel "Die Welt der Spione".
Unglaublich, was es alles noch zu kaufen gibt. "Weißer Holunder" von Gitta Lind und den Telestars, "La Montanara" vom Svend Saaby-Chor oder Rocco Granatas "Marina" etwa sind nur drei von geschätzten sechs Millionen Singles am Ort. Viel her machen das Akkord-Radio oder die Jubiläumsausgabe über Grundigs legendären Rundfunkempfänger "Heinzelmann". Für große Augen sorgen aber auch Louis Armstrong, Bing Crosby oder Maurice Chevalier in der ausgiebigen Schellackplatten-Sammlung des Kempeners Michael Schmithuysen.
Vakuummeter-Röhren liegen neben schnieken Mikrofonen der Wiener Schwachstromwerke. Eine echte Schau ist auch das Monoknopf-Radio D 57 aus dem Hause Philips. Baujahr 1938, "aber es spielt", versichert der Besitzer. In Gedanken längst vergilbte Firmennamen wie Saba, Telefunken und Nora, wie DKE oder Graetz lassen noch manchen mit der Zunge schnalzen, das Tefifon mit Tefi-Stundenbändern kennen aber wohl nur noch wenige.
"Es läuft, wir sind dabei, bei unserer Versteigerungen die 500-Euro-Hürde zu knacken", frohlockt Veranstalter Rainer Berkenhoff. Dass er dabei so strahlt wie das bildschöne Grammophon der Firma "His Masters Voice", passt ins Bild.
"Es läuft.
Wir sind dabei, die 500-Euro-Hürde zu knacken"

15.04.2007   Von Norbert Ahmann n.ahmann@waz.de 02361/9370 127



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