Arthur - neu

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Es war einmal ein kleiner Teddybär.
Er hatte ein schönes, weiches kuscheliges Fell und lustige schwarze Knopfaugen.
Seine Bärenmama hatte ihn mit viel Liebe genäht und alles an ihm war liebevoll von Hand angefertigt.
Der kleine Bär wusste das aber nicht.
So saß er tagein tagaus im Kaufhaus im Regal und schaute den Menschen hinterher, die an ihm vorübergingen.

Manchmal blieb ein Mensch vor ihm stehen und schaute ihn an. Es kam sogar vor, dass einer von ihnen unseren kleinen Bären aus dem Regal herausnahm. Es waren überwiegend die kleinen Menschlein, die das taten. Sie hielten ihn, drehten ihn hin und her (manchmal wurde ihm sogar ganz schlecht von dem vielen Umdrehen, aber das machte ihm nichts, denn um nichts in der Welt wollte er es missen, von diesen Händen gehalten und gestreichelt zu werden) und drückten ihn an ihr Herz. Das waren die Augenblicke, wo unser kleiner Bär fast glücklich war.
„Jetzt bekomme ich bestimmt ein zu Hause...“ dachte er. Doch die Hände setzten ihn immer wieder zurück ins Regal.
Der kleine Bär wurde sehr traurig.
Ein paar Mal war es schon passiert, da hatten ihn auch ein paar kleine Hände aus diesem Regal geholt und er wurde an ein Herz gedrückt. Dann sagte eine Stimme „Oh ja, dieser hier ist schön- den nehmen wir.“ Dann gingen sie mit ihm zur Kasse zum „Bezahlen“.
Der kleine Bär war ganz aufgeregt: „bezahlen“- weia... was musste er denn da tun... so was hatte er ja noch nie gemacht... was, wenn er das nun falsch machte? Er dachte nach und grübelte; versuchte sich vorzustellen, was das wohl sein mochte und er nahm sich vor, sich alle Mühe zu geben, um es so gut wie möglich zu machen.
Doch er regte sich völlig umsonst auf. Der Weg zur Kasse war noch nicht ganz zurückgelegt, da wurde er ein weiteres Mal von Händen umgedreht. Plötzlich sagte die gleiche Stimme wie vorher – allerdings klang sie völlig verändert – „Oh, nein, das geht nicht, der ist viel zu teuer! Wir müssen ihn doch hierlassen“. So wurde er gepackt und recht unsanft wieder in die Ecke zurückgeschubst. Und da saß er nun ganz unglücklich und begann zu grübeln, was an ihm verkehrt wäre, dass niemand ihn haben wollte.
„Hallo, du? Wer bist denn du?“ sagte plötzlich eine Stimme neben ihm.
Der kleine Bär duckte sich und wollte gar nicht antworten, zu groß war inzwischen die Angst, dass er wieder umsonst hoffte, jemand könnte ihn lieb haben wollen. „Hee, du, Bär, du redest wohl nicht mit jedem, was?“ rief die Stimme. „Ach lass mich... du schubst mich bloß wieder zurück!“ sagte der kleine Bär.
„Blödsinn, einen so drolligen Kerl wie dich. Warum sollte ich?“ fragte die Stimme.
„Weil es alle tun. Sie schauen mich an, finden mich drollig und dann muss ich wieder ins Regal…“ sagte er traurig.
„Das geht uns doch allen Mal so.“ sagte die Stimme.
„Aber es macht mich traurig!“ rief der kleine Bär. “Wozu bin ich überhaupt da, wenn mich doch keiner haben will… zu teuer bin ich, sagen sie, ... ich kann doch nichts dafür, dass mir einer so ein doofes Schild um den Hals gehängt hat, am liebsten würd’ ich es abreißen!“
„Aber nicht doch“, sagte die Stimme „warum willst du denn deine Besonderheit verlieren? Nur weil ein paar von diesen ‚Menschen’ sie nicht zu schätzen wissen? Das kannst du nicht ernst meinen!“ - „Aber was soll ich denn tun? Ich traue mich ja schon gar nicht mehr, jemanden anzuschauen, die sind dann zwar erst begeistert aber –aber dann stopfen sie mich doch wieder zurück und ich -ich weiß gar nicht, was ich verkehrt mache!“ rief der kleine Bär verzweifelt.
„Schau mal-“ sagte die Stimme, „als du gemacht wurdest, geschah das mit sehr viel Liebe, das kann man sehen-“ „Na und? was nützt mir das? Und woher willst du das überhaupt wissen?“ rief der kleine Bär dazwischen.
„Das sieht man doch, schau mal, da vorne ist ein Spiegel, schau da mal hinein, man müsste schon blind sein um es nicht zu sehen. Und was dir das nützt- ganz einfach: es verleiht dir eine Besonderheit, die man selten findet, darauf kannst du stolz sein, denn das ist etwas, was nicht viele haben. Und eines Tages wird das auch jemand zu schätzen wissen, und dem bist du dann auch nicht zu teuer, aber du musst halt Geduld haben!“ „Ach, du willst mich bloß aufheitern...“ sagte der kleine Bär zaghaft.
„Nein, wie komm ich dazu“ sagte die Stimme ich hätte genug eigene Dinge über die ich mich aufregen könnte, ich bin auch gerade erst zurückgekommen, weil meine Haare nicht lang genug sind. Aber-. das ist doch gar nicht so wichtig...“
Der kleine Bär schaute auf und blickte direkt in die himmelblauen Augen einer wunderschönen kleinen Puppe mit halblangen blonden Haaren.
„Whow bist du schön… spinnen die? deine Haare sind doch toll…“
„Natürlich, aber dieses Menschenkind wollte halt eine mit noch längeren Haaren, die hab ich aber nun mal nicht, aber die wachsen deshalb ja nicht… wenn mich also einer schön finden mag, dann mit diesen Haaren oder gar nicht.“„Du bist ganz schön klug...“ sagte der kleine Bär. „Du doch auch, du weißt es bloß nicht.“ „Meinst du?“ „Aber sicher. Das wirst du schon noch feststellen, wenn du mal aufhörst immer selbst an dir herumzunörgeln.“
„Darüber muss ich nachdenken...“ murmelte der kleine Bär.
Von diesem Tag an waren der kleine Bär und die Puppe Freunde und sie mochten sich jeden Tag mehr.
Wenn das Kaufhaus geschlossen war tollten sie miteinander herum, neckten sich und lachten viel.
Eines Tages war es soweit:
Die kleine Puppe wurde aus dem Regal genommen und kam nicht mehr zurück.
Da war der Bär wieder traurig, blieb er doch allein zurück.
Doch er war dankbar für das Geschenk, das die Zeit mit seiner Puppenfreundin für ihn war.
Zwar saß er nun wieder allein im Regal, doch hatte sie ihm etwas dagelassen, was ihm niemand mehr nehmen konnte: das Gefühl, wertvoll zu sein.
Er war ein besonderer kleiner Bär, wer ihn ansah, der musste lächeln und so brachte er eine ganze Menge Licht in das Dunkel unserer Zeit.
An einem kalten, regnerischen Tag passierte es:
Ein Paar kleine Hände griffen nach ihm und drehten ihn hin und her. Der kleine Bär hatte schon nicht mehr damit gerechnet und hatte vergessen, sich zu verstecken, wie er es sonst immer tat. Er war das Drehen gar nicht mehr gewohnt und so wurde es ihm ein wenig schwindelig. Dann hörte er die Worte wie er sie ähnlich schon oft gehört hatte....
„Na, gefällt er dir?“ „Ja, schon, aber…“ „Aber?“ „Ach, … er ist bestimmt zu teuer…“

Da war es wieder das Wort. -Dann traute er seinen Ohren nicht:
„Zu teuer? Aber nein… Schön, er ist nicht billig, aber schau nur, wie liebevoll er gemacht ist, einen solchen Bären findet man nicht alle Tage, und dieser hier ist ein ganz besonders schöner, den bekommt man nicht für ein Taschengeld“
Nun schaute der kleine Bär sich das Menschenkind einmal genauer an, das ihn gerade an sein Herzchen drückte.
Es war ein kleines Mädchen mit halblangen blonden Haaren und himmelblauen Augen und einem Gesichtchen, das vor lauter Glück zu glühen schien. Der kleine Bär schmiegte sich in die Arme- und erschrak: zwei große Hände hoben ihn hoch und eine davon drehte das Schild um, das um seinen Hals hing.
„Jetzt bringen sie mich gleich wieder zurück...“ dachte er und konnte nicht verhindern, dass er traurig wurde.
Aber nichts dergleichen geschah. Stattdessen sagte die Stimme:
„Oh, schau mal, dein Bär hat schon einen Namen.“ Dann wurde er vor ein Gesicht gehalten, das eine ältere Version von dem des kleinen Mädchens zu sein schien und die Stimme sagte:
„Hallo, Arthur, willkommen in unserer Familie!“
Er wollte etwas erwidern, „Danke“ oder „hoch erfreut“ oder etwas Ähnliches, aber -seine Stimme war merkwürdigerweise nicht zu hören.
Dann griffen wieder die kleinen Händchen nach ihm und er fand sich in den Armen des kleinen Mädchens wieder. Einen kleinen Schreck bekam er noch, als sie das Kaufhaus verließen und ein dicker Regentropfen genau auf seiner Nase landete, aber das kleine Mädchen drückte ihn noch fester an sich und tupfte ihm die Nase wieder trocken.
Der kleine Bär kuschelte sich in ihren Arm und freute sich darauf, mit dem kleinen Mädchen herumzutollen und zu kuscheln.
In dieser Nacht schlief er zum ersten Mal in einem Bett und vor dem Einschlafen wurde er noch einmal kräftig ans Herz gedrückt.
„Arthur, mein Arthur...“ murmelte das kleine Mädchen, bevor es mit ihm im Arm einschlief.
Es war die erste von ganz vielen Nächten, die der kleine Bär in den Armen des Mädchens verbrachte und er sollte der beste Freund werden, den das Kind je gehabt hatte.
Arthur war überglücklich.
Nun hatte er ein Zuhause und konnte die Liebe weitergeben, die ihm mitgegeben wurde.
„Schlaf schön meine Kleine Freundin…“ flüsterte er. Dann schlief auch er ein.

Veröffentlicht am:
12:57:56 02.01.2011

amanfang 2 270

Login (2)

für registrierte Benutzer

.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 


 Leben 
 jockel