Jeder Tag

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Jeder Tag - - - -

Jeder Tag bringt eine neue Herausforderung und Überraschung. Oft nehme ich mir vor, es aufzuschreiben und dann ist wieder so viel Anderes und schon ist es wieder hinten an gestellt.

Heute wird ein strammer Tag –ich weiß es ja, Aber er soll langsam und normal anrollen, ohne Hektik

Mein Mann macht den Kaffee, er hat die Hunde gefüttert, ich die Katzen. Ich stelle das Müsli auf den Tisch und will nach der Zeitung schaun.

Da steht ein Kasten vor der Tür, bei näherem Hinschaun ist darin ein winzig kleiner ganz kalter elender Igel und ein Zettel von unserer Zeitunsfrau: ,,Den habe ich eben auf dem Bürgersteig gefunden, bitte drum kümmern!”

Na klar habe ich mir drum gekümmert, noch vor dem Frühstückt. Die Zeitungsfrau kennt meinen Satz;,, Der frühe Vogel fängt den Wurm!”

Morgens um vor 6 beginnt unser Tag und so kann der kleine elende Igel dort noch nicht lange gestanden haben.

Es liegt jetzt auf einer Wärmematte. Noch konnte er weder Futter noch was zu trinken annehmen. Hoffentlich wird das was! So ein kleiner Kerl hat ja noch gar kein Igelleben gelebt, kaum von der Mama weg und auf eigenen Beinchen uns schon so verelendet!

Gestern kam ein Igel in ähnlicher Verfassung, die Finderin meinte, der schläft so ruhig auf meiner Terrasse, sie wollte nur einen Rat von mir. Verdammt, ich bin in den Jahren ein oller Fuchs geworden und rieche förmlich, wenn es ein Notfall ist und so war es.

Der Igel war völlig abgemagert und lag schon in tiefer Argonie. Beim Igel geht das oft sehr schnell. Die Dame meinte noch, gestern ist er noch wie alle Tage zum Fressen gekommen.

Das glaube ich ihr sogar. Dennoch hat sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt.  Das Tierchen wurde erst einmal warm gelegt und als ich ihm die möglicherweise lebensrettende Infusion geben wollte, hatte es sich schon verabschiedet.

Gestern war ein Traumtag, ein Sommertag mitten im Oktober mit noch mal 26° am Tag. Ich hatte noch gesund gepflegte Igel, die das nötige Gewicht und etwas Erfahrung mit der Freiheit hatten und weil es  bei mir im Keller mehr als eng geworden ist, habe ich bechlossen, es zu wagen, sie noch in einen wunderbaren neuen Lebensraum zu entlassen.

Da waren 4 nun  Igel   in die Freiheit wegzubringen und leider auch der kleine Tote. 

in dem Gebiet sind Streuobstwiesen mit uralten Birnen und Apfelsorten, Viel lag am Boden und wir haben noch einige gute Äpfel und Birnen gefunden und zurück geschleppt.

Endlich mal ein anderer Geschmack als das Obst aus dem Supermarkt, dieser ewige Einheitsgeschmack. wir haben uns in die Kindheit zurück versetzt gefühlt, als wir einfach ohne das Obst zu waschen, es an der Hose abgerieben und heißhungrig verzehrt haben, Um eine Druckstelle haben wir  wie früher einfach rumgebissen.

Und dann zuhause? Kaum waren wir angekommen, ging das Telefon und es hielt sich dran. Mein Mann hat im Schweiße seines Angesichtes viele Käfige geschrubbt und desinfiziert.  Und?

Natürlich sind sie fast alle schon wieder neu belegt.

Manchmal mag und kann ich einfach nicht mehr. Und heute wie gestern abend schule ich wieder Igelpfleger – es nimmt kein Ende, aber eine neue Station ist nicht in Sicht.

Immerhin Pflegestellen. Eine Frau nahm gestern zwei Igel in Pflege mit. Da war erst mal viel Instruktion noch nötig, wie immer. Hoffentlich geht das gut.

Es geht immerhin um kleine Lebenwesen und nicht um Bauklötzchen.

Und da war noch eine große Überraschung –eine Frau hat mir eine Mail geschickt, sie kann zwar keine Igel nehmen, aber sie bot mir an kostenlos eine Fußreflexzonenmassage zu machen.

Und das habe ich angenommen. Nie zuvor habe ich sowas für mich in Anspruch genommen. Längst hätte ich es tun sollen.

Was ich da für eine tiefe erholsame Entspannung genießen durfte –einfach himmlisch. Das war ein so außergewöhnliches Geschenk, so anders als mal 10 Euro oder eine Palette Katzenfutter oder mal ein Kasten Gummihandschuhe oder auch mal eine Schachtel Pralinen oder ein Igelfigürchen.

Von dem Erlebnis werde ich lange zehren und mir diese Wohltat noch häufiger gönnen.
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© Karin Oehl

amanfang 2 270

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