Nikolausgeschichte für Erwachsene ;-)

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Eine Erzählung, in der sich Wahres und Fiktives vermischt

mit einem Augenzwinkern;-)

… auch in diesem Jahr ist pünktlich wie immer die alljährliche vorweihnachtliche Hektik ausgebrochen. Mir geht es da nicht anders. Zwischen drängelnde Massen gezwängt, Pläne fürs Fest im Kopf zum Thema - wer kommt zu Besuch, was koche ich, wie hat der Mann Dienst, was ist ein sinnvolles Geschenk -bahne ich mir einen Weg mich an Kinderwagen vorbei und durch die Menschenschlangen in den Geschäften. Am liebsten kaufe ich Geschenke für den Kleinen, da gibt es so viele Spielsachen und keine Schwierigkeiten, etwas Schönes zu finden.

Heute ist Nikolausabend. Der Mann wird später aus der Firma kommen und mein kleiner Sohn hat morgen nur noch eine Nikolausfeier im Kindergarten. Es muss auch noch ein kleines Wichtelgeschenk und einige Dinge zu Nikolaus besorgt werden für in die Stiefel, die der Kleine und ich noch vor die Korridortüre stellen wollen, damit der Nikolaus sie nachts findet. Ich weiß noch, dass diese uralte Sitte immer etwas Besonderes und vor allem etwas Ungewisses war für uns Kinder. Kommt der Nikolaus, vergisst er mich, ist vielleicht eine Rute im Stiefel drin? Vorsichtshalber war man vor diesem Tag immer besonders brav, versuchte es zumindest.

Nun kehren meine Gedanken wieder zurück mitten im Einkaufsgeschehen in der Stadt und es ist bereits dunkel geworden. Auch die Autofahrer sind wie immer gereizt und hupen, als gäbe es dafür einen Preis. Die Luft ist graugelb und es schneit seit einiger Zeit, die Flocken werden immer dichter und kleben am Haar, dem Gesicht und den Augenwimpern fest. Ja, ein richtiges Schneetreiben hat sich entwickelt. An den freien Plätzen haben die Weihnachtsbaumverkäufer ihre Tannen aufgebaut.

Schnell husche ich noch einmal zum Markt, um rote Martinsäpfel, Nüsse und Mandarinen zu kaufen. Ebenso müssen einige Leckereien her aus dem Süßwarengeschäft. Der jährliche Backprozess ist schon einige Zeit im Gange und einige der leckeren Plätzchen habe ich auch schon aussortiert für in die Stiefel vom Nikolaus. Da ich mittlerweile so bepackt bin und vier Hände haben müsste, gehe ich erst einmal nach Hause zum Abladen. Mit Schnee in den Haaren erreiche ich die Wohnung, stelle alles ab. Dann ermahne den Kleinen, schön brav zu sein, er wisse ja, der Nikolaus sieht alles. Er schaut mich unsicher aber doch mit einem gewissen Respekt an, man weiß ja nicht, ob es den Kerl tatsächlich gibt! Putze schon einmal Deine Stiefel, sage ich und lege ihm ein sauberes Poliertuch hin. „Okay, Mama“, meint er und macht sich mit dem Lappen ungeschickt über die Stiefel her. Ich hast die Treppen runter und gehe rasch den langen Weg zu der Hauptgeschäftsstraße entlang durch das immer dichter werdende Schneetreiben.

Im Spielzeugladen hatte ich letzthin ein schickes Auto gesehen, das der Kleine super fand. Rasch wird auch noch ein Wichtelgeschenk gefunden, ein Spielzeug aus Holz, gut das nehme ich. Danach hole ich noch eine Kassette mit Weihnachtsmusik. Ein selbst geschriebenes Märchen von mir liegt schon bereit, als Beigabe zu den Süßigkeiten. Rasch betrete noch in einen weiteren Laden, ein paar Socken und eine Krawatte für den Mann müssen her, der natürlich auch seine Schuhe putzen und vor die Tür stellen muss. Ja – die berühmten Socken und die Krawatte, hat sich jemals einer darüber Gedanken gemacht, wie viel so eine Krawatte und Socken heute schon kosten? Wenn sie denn etwas taugen und geschmacklich einwandfrei sind. Und gebraucht werden sie allemal. Na ja, so kurz vor Weihnachten gibt es halt nicht noch mehr, wo kommen wir denn da hin?! Nun hatte ich alles beisammen. Dick gepackt wie immer verlasse ich die Ladenstrasse und folge nun der langen breiten Strasse, die in unsere Siedlung führt. Irgendwie bin ich geschafft für heute und fühle mich nicht so wohl in meiner Haut. Der Regen, der die letzte Zeit grau in grau werden ließ, verwandelt sich durch ein strenges Kältehoch immer mehr in Schnee und allmählich wird die Stadt weiß. Nun habe ich Eile, den Rückweg schnell hinter mich zu bringen. Die lange Strasse führt etwas abseits vom Trubel der Innenstadt in unser ruhiges Wohngebiet. Überall schon die Lichter an den Fenstern, doch in diesem Jahr habe ich so recht keinen Sinn für das, was ich schon ’zig Jahre vorher automatisch machte.

Nikolaus - beim Gehen denke ich zurück, als ich so klein war und morgens ganz früh vor die Türe schaute, das war wohl das Aufregendste, was es gab für uns als Kinder und erst – als der Nikolaus einmal persönlich erschien. Ich war wohl fünf Jahre alt und an meine Angst vor dem riesigen Mann im roten Mantel und seinen langen weißen Bart erinnere ich mich heute noch genau. Und dann erst an das Poltern auf den Holzstufen, die dunkle Stimme, bei deren Klang ich rasch auf Papas Arm flüchtete. Und an den Knecht Ruprecht, der neben ihm kauerte an der Erde, mit kohlrabenschwarzem Gesicht und einem Sack neben sich, der an Ketten rasselte. Heute blieb von all dem nichts, in Eile jeden Weg automatisch gemacht wie immer, an alle gedacht, aber wer denkt schon an mich?. Wer überrascht einmal mich? Es ist einfach so, dass ich alles bedenke, ohne auch nur das Kleinste zu vergessen, niemand hätte es für mich erledigt, aber ein Vorwurf oder Tadel wäre gleich zur Hand. Ich bin innerlich müde, einfach müde, eine nicht gerade vorweihnachtliche Stimmung, aber vielleicht ist das ganz normal und gehört einfach dazu. Das Jahr ging ja wieder dem Ende zu und das neue steht schon in den Startlöchern.

Erneut bepackt gehe ich also schnellen Schrittes, den Kopf vor dem dichten Schneetreiben gebeugt, vor mir auf den Weg schauend, den langen Weg zurück. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, steht auf einmal vor mir eine Gestalt im Schneetreiben, in die ich fast reingerannt wäre. “Holla“, dröhnte eine dunkle Stimme. Ich seh erschrocken auf und entschuldigte mich. “Na schon im Weihnachtsstress?“ tönt es wieder. Nun schaute ich hoch zu meinem Gegenüber. Ein alter Mann, etwas korpulent mit weißen Haaren und Vollbart steht vor mir und blinzelte mich an. Er sieht etwas spitzbübisch aus und seine blauen Augen funkeln mich an, was ich trotz dichten Schneefalls erkenne ”Ich sagte doch, Entschuldigung” erwidere ich unwirsch, denn ich habe den Kopf voll und will einfach raus aus der nassen Kälte. Meine Hände sind trotz Handschuhen schon eiskalt geworden. ”Klar”, meint er, ”die Zeit - die Zeit”… ” Wie bitte?” Ich starre ihn nun unwillig an. Will er mir jetzt hier auf der Strasse einen Vortrag über die Zeit machen, da kommt er gerade richtig, denke ich.“ Nun ja, Ihr Menschen habt nie Zeit“ entgegnet er wieder. Ich setze meine Tasche ab und frage etwas schnippisch ”wir Menschen? Und wer sind Sie? Der Nikolaus?” ”Vielleicht?" lächelt er zurück. Ich aber habe nur meine Zeitplan im Kopf, wann der Mann nach Hause kommt, was ich noch kochen muss, der Glühwein musste noch angesetzt werden, die Bratäpfel in den Ofen, die Schuhe und Stiefel gefüllt, das Kind ins Bett gebracht werden und so blieb mir keinerlei Zeit für derlei Witze. „Also bitte, würden Sie mich nun vorbei lassen?

"Ja kleine Ela, ich lasse dich vorbei“ sagt die Stimme ganz leise und seine Augen schauten mich freundlich an, aber er lachte nicht mehr. Hatte ich mich verhört, nannte der meinen Namen? ”Kennen Sie mich? woher wissen Sie meinen Namen? ”frage ich verdutzt. “Ich kenne dich schon eine lange Zeit, meine Liebe, es gefällt mir, was du tust, aber deine Eile, die Unruhe, deine Hetzerei- Nimm dir selbst mal öfter etwas Zeit, auch wenn dein Sohn und dein Mann warten, lass sie einfach mal warten! Deine Zeit ist kostbares Gut, sie gehört dir - nicht nur anderen und wenn sie verbraucht ist, ist es vorbei …und nun wünsche ich dir eine schöne Weihnacht und vergiss meine Worte nicht!” sprach er wieder ganz leise mit seiner dunklen Stimme, aber ich hörte jedes Wort wie ein Echo in meinen Ohren. Ich bin verwirrt und will nur los von diesem Alten, der mir zwar nicht unsympathisch ist, aber die Geschichten erzähle sonst ich meinem Sohn, von Fremden bin ich so was nicht gewohnt. Nun, es hört sich nett an und ich will ihm einen Gefallen tun und sage leise, ” Ich danke für die lieben Worte und wünsche auch Ihnen ein schönes Weihnachtsfest”. Ich bücke mich und hebe die Taschen von der Erde hoch, die ich neben mir abgestellt habe, dann komme ich hoch und will ihm die Hand hinstrecken. Doch … was ist das? Er ist weg, wie vom Erdboden verschluckt. Das gibt es doch nicht, ich drehe mich um, niemand ist mehr da, nirgends, auch nicht auf der anderen Straßenseite. Nun ist es soweit, ich drehe schon durch, kein Wunder bei dem Stress… langsam gehe ich kopfschüttelnd nach Hause. Ist das die neue Straßenwerbung für den Nikolaus, dann hätte er ein Kind ansprechen müssen.

Als ich endlich wieder zu Hause ankomme, habe ich die kleine Episode schon vergessen, denn mein Sohn hat schon ganze Arbeit geleistet. Er hat aus dem Schuhschrank eine fettige Schuhcreme genommen und die Stiefel über und über damit beschmiert und nicht nur die. Das reichte für Jahre und nicht nur die Schuhe sind voll Fett, sondern auch der ganze Teppichboden rundherum. Ich entferne die Spuren so gut es geht. Meine Laune verschlechtert sich noch um einiges. Gedanklich abwesend, mache ich ihm dann sein Abendbrot, bringe den jungen zu Bett, sortierte die kleinen Gaben, Nüsse, Leckereien in die Stiefel und für den natürlich in ein paar geputzte Schuhe. Meine, die noch nass waren würde ich später füllen. Ich stellte sie erst einmal ab vor die Balkontüre.

In vorgerückter Stunde kommt endlich mein Mann nach Hause vom Bereitschaftsdienst. Das Essen steht für ihn warm, wir reden nicht viel. Ich gehe zeitiger als sonst und irgendwie erschöpft zu Bett. Am anderen Morgen werde ich wie immer unsanft durch den Wecker geweckt, bereite das Frühstück für den Mann. Mein Kleiner ist schon wach, weiß er doch, was heute für ein Tag ist. Eilig huscht er im Schlafanzug mit mir an die Korridortür und öffnet sie. Er war da, der Nikolaus hat ihn wie immer nicht vergessen. Da sind seine Stiefel, die er dort postiert hatte, über und über gefüllt mit bunten Leckereien und kleinen Päckchen sowie meiner Geschichte, das Papier gerollt und mit einer roten Schleife gebunden. In den Schuhen vom Mann befindet sich eine Rute aber mit Leckereien dran, einige Mandaringen, Äpfel und Nüsse sowie die diversen Kleinigkeiten. Als mein Sohn nun ins Kinderzimmer huscht mit seinem Fund und es sich damit im Bett gemütlich macht, erschrecke ich, ich habe ja meine Stöckelschuhe nicht hinzu gestellt. Mein Mann bemerkt es zuerst und meint entschuldigend, dass er keine Zeit hatte, doch mir ist klar, dass er es wie immer vergessen hatte. “Heute Abend kommt noch eine Nikolaustüte" meint er grinsend "werde noch mal bei ihm anklopfen." Ich haue ihm eins auf die Schulter und meine „“ach Du“, hau schon ab und rasch gibt es noch ein flüchtiges Küsschen dann ist er aus der Tür. Rasch räume ich nun alles weg und mache das Frühstück für den Kleinen zurecht. Dann bringe ich ihn zum Kindergarten, der ganz in der Nähe ist. Auf dem Rückweg erinnere ich mich wieder an das Ereignis vom Vorabend. Das kann man keinem erzählen, sie würden denken, ich spinne schon, womit sie nicht ganz Unrecht hätten.

Wieder zu Hause angelangt, gehe ich nun langsam in die Küche, ganz automatisch entgegen meiner sonst so eiligen Art, alles sofort plan zu machen in den Räumen. Nun erst mal in Ruhe Kaffee trinken, denke ich so bei mir, aber erst noch die Schuhe vom Balkon holen, die ich ja noch füllen muss für mich, es soll ja alles stimmen, denn der Nikolaus vergisst ja die lieben Mütter nie. Ich öffne die Balkontür und ein eisiger wind treibt gleich wieder dichte Flocke ins Zimmer, bücke mich zu den Schuhen und will sie rein nehmen. Ich stutze, was ist das? Ich reibe mir die Augen. Die Schuhe sind über und über gefüllt mit Nüssen und süßen Leckereien, kleine rote Äpfel liegen umher, als wenn sie jemand verloren hätte, ich staune, Wann hatte mein Mann das gemacht? Ich habe es nicht bemerkt. Nachdenklich aber freudig hebe ich die gefüllten Schuhe vorsichtig hoch und trage sie in die warme Küche. Das war er, der Überraschungseffekt, das an mich denken, so wie ich es immer für die anderen tat. Meine Laune besserte sich schlagartig. Eine schöne Idee, hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Nun nehme ich mir einen Kaffee, setze ich mich gemütlich hin, lege die Beine auf den gegenüber liegenden Stuhl und drehe das Radio an, aus dem wie bestellt vorweihnachtliche Musik klingt. Da ist es wieder, das unbestimmte Gefühl, das mich immer wieder all die Jahre veranlasste, diesen Brauch hochzuhalten, egal wie mies oder gut es mir gerade ging. Jetzt kommen mir die Worte des alten Mannes von gestern in den Sinn. Nimm dir Zeit und ich nahm mir Zeit, einfach so, die Arbeit lief ja nicht weg - in einer unaufgeräumten Wohnung, der Spül noch im Becken, die Betten nicht gemacht und schon gar nichts weggeräumt. Auch das Bad ist nicht sauber und blitzblank, wie es sonst um diese Zeit schon aussah. Ich drehe das Radio lauter und lausche der wunderschönen Adventmusik.

Ich zünde die beiden Kerzen vom Adventkranz an und frühstücke in aller Ruhe. Später nehme ich eines der kleinen Äpfelchen und beiß hinein. Sie sehen ja nicht gerade strahlend und glänzend aus, denke ich, eher ein bisschen schrumpelig. Egal, Äpfel sind gesund. Oha - was war denn das? Ein unbekannter herrlicher Geschmack, ähnlich dem von Bratäpfeln füllt meinen Mund. Der Apfel ist duftend und süß. Kann so ein Apfel schmecken, der nicht einmal rote Bäckchen hat und nicht einmal glänzt? Ebenso geht es mir mit den Nüssen. Sie schmeckten so frisch und süß, wie ich es noch nie erlebt hatte. Dann greife ich zu einem Lebkuchen und beiße hinein, und wieder ein aromatischer herrlicher Geschmack, den ich noch nie gekostet hatte. Wo hatte mein Mann nur all die Köstlichkeiten her? Nun schütte ich die ganze Pracht der Leckereien auf einen Weihnachtsteller und stelle die Schuhe fort, aber als ich beim Leeren derselben nach innen lange in die Spitze des rechten Schuhes, finde ich einen zusammengeknüllten Zettel, den ich auseinanderstreife. Da steht: ”Für meine liebe Ela einen lieben Gruß, der Nikolaus hat dich nicht vergessen – eine *Frohe Weihnacht speziell für dich!” Eine schöne Idee, freue ich mich, ich hatte meinen Mann wirklich unterschätzt.

Den ganzen Tag bleibe ich heiter und gelöst, der Stress und die Besorgungen machen mir nichts aus, alles klappte wie am Schnürchen, als mein Sohn nach Hause kommt, sieht er auch meine Süßigkeiten und alles war wie immer im Lot, Mama hatte auch was bekommen, klar, sie war ja auch immer lieb und deshalb hatte der Nikolaus sie nicht vergessen! Gegen Abend kam mein Mann früher als sonst nach Hause, drückt mich und legte mir eine Nikolaustüte in den Arm, obenauf lag ein extra schön verpacktes Fläschchen Parfum. ”Der Nikolaus hatte sich etwas verspätet” entschuldigte er sich. Ich flüstere zurück: ”er war ja schon da, habe mich sehr gefreut, Danke” und zwinkere ihm zu. Er aber starrt mich merkwürdig an und meint ”wieso? Also, mein Nikolaus kam eben erst“ und geht kopfschüttelnd ins Bad.

Erst da dämmert es mir, es gibt ihn also doch den *Heiligen Mann! Mein Liebster jedoch wundert sich noch lange über das seltsame Lächeln, welches an diesem Nikolausabend nicht aus meinem Gesicht weichen will ;-)

 

amanfang 2 270

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